Auf Augenhöhe

oder: Karl Popper, der erste Zuschauer und die Burgtheater-Marmelade. Ein Nachruf auf Wolfgang Wiens. Von Joachim Lux

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Wolfgang Wiens ist tot. Mit ihm ist eine der letzten großen Dramaturgen–persönlichkeiten gegangen. Er war kein Feuilletonist, kein Philosoph, kein Künstler-Bohemien, sah sich nicht als Regisseur (obwohl er gelegentlich als solcher arbeitete), war kein Theaterautor, kein Kunst-Ideologe, kein Weltverbesserer, kein Kurator oder Diskursspezialist. Nein, er leistete als «geschäftsführender Dramaturg», so sein Titel am Burgtheater, auf der Brücke Dienst und Punkt.

Auf der Theaterbrücke hätte man ihn – physisch oder auch nur im Geiste – gern mit Helmut Schmidt fotographieren wollen, einem anderen Hamburger: vereint in der Leidenschaft zu Zigarette und unterkühlter Sachlichkeit. Dramaturg sein bedeutete für ihn zuallererst und vor allem: Handwerk. Ihn interessierte nur die Sache selbst, und das hieß für ihn: Literatur und ihre Umsetzung auf der Bühne. In der logischen Folge hinterlässt er fast nichts – keine Essays, keine Bücher, keine Literatur.

Er kam vom Wort zur Bühne. Und da hat er einiges hinterlassen: Fassungen, Übersetzungen und nicht zuletzt Tausende von Lektoraten über neue, oft unaufgefordert eingesandte Stücke, die heute niemand mehr schreibt. Obwohl ihm klar war, dass kaum ...

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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Akteure, Seite 43
von Joachim Lux

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