Helden der Geschichte
Bürgermeister Kruschkatz hat reiche Erfahrungen mit der historischen Wahrheit. Er hat sein Amt in Guldenberg, Christoph Heins DDR-Paradeprovinznest, 19 Jahre lang versehen, länger als jeder seiner Vorgänger und zur besten Aufbauzeit: von 1957 bis 1976. Er hat darüber seine Frau verloren, erst an seinen Widersacher Horn, dann an den Krebs, und er hat die deutschen Kleinstädter, mit denen er sich herumschlagen musste, gründlich durchschauen und verachten gelernt. Er war ein strammer Parteisoldat, was ihn im Gegensatz zu vielen seiner Genossen nie daran gehindert hat zu wissen, was er tat.
Ein Satz wie «selbst für erforderliche Schäbigkeiten gibt es eine Grenze» schließt gläubige Einfalt aus. Oder, noch besser: «Es ist unmöglich, dass ich mich lächerlich mache, wenn ich die Dummheiten begehe, zu denen mich mein Amt nötigt.» Sein Misstrauen hat er darüber in all den Jahren systematisch gegen sich selbst erweitert, weil ihm das menschliche Erinnerungsvermögen, sein eigenes eingeschlossen, viel zu unzuverlässig erscheint: «Es gibt keine Geschichte, denn soviel wir auch an Bausteinchen um eine vergangene Zeit ansammeln, wir ordnen und beleben diese kleinen Tonscherben allein mit unserem ...
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Der erste Koch, den das deutsche Fernsehen berühmt machte, war gar keiner. Der Mann, der den Deutschen beibrachte, eine Scheibe Weißbrot mittelbraun zu toasten, sie mit Butter zu bestreichen, mit je einer Scheibe Kochschinken, Dosenananas und Gouda zu belegen, bei 200 Grad in den Ofen zu schieben und das Ganze dann «Toast Hawaii» zu nennen, war ein arbeitsloser...
Die eine wettert gegen «die Schwuchteln», «Scheißisrael» und «bürgerliche Pornoschlampen». Der nächsten sind «die toleranten Arschlecker» ein «Gräuel». Auch die Dritte hat «knallharte Ansichten: Es lebe der Gottesstaat! Es lebe der islamische Kampf im Irak und in Palästina! Amerika ist der Große Teufel!». Die zum Islam konvertierte Deutsche hält nichts von...
Die Halbwertszeit für Legenden wird allenfalls durch die von Vorurteilen übertroffen. Weil die Stereotypen einmal da sind, werden sie auch bedient und selbst von jenen am Leben erhalten, die ihnen den Kampf angesagt hatten. Reichlich Anschauungsmaterial dafür bieten Theaterfestivals mit einem Länderschwerpunkt. Da macht auch die Schaubühne am Lehniner Platz in...
