Buch: Liebe zum Dreck

Die Autobiografie der Künstlerin Valeska Gert «Ich bin eine Hexe» aus dem Jahr 1968 erscheint noch einmal neu im Alexander Verlag

Theater heute - Logo

Bevor die Zivilisation an menschlicher Dummheit untergeht, verträgt sie wenigs­tens ein paar kräftige Sprüche. «Die alte Welt ist morsch, sie kracht in allen Fugen. Ich will helfen, sie kaputtzumachen!» Oder ein schönes Gedicht: «Schlaf, kleine Erde, schlaf schön bald / Bist erst fünf Milliarden Jahre alt. / Jetzt spielen böse Jungs mit deinen Kräften / experimentieren mit deinen Säften / Und es kann passieren / dass wir alle explodieren.» Wirkt wahnsinnig aktuell. Ist aber von Valeska Gert.

So kommentierte die tanzende Universalkünstlerin in ihrer heiligen Unangepasstheit die brutalen Umbrüche ihrer Zeit. Oder prophezeite die Folgen der blinden Technikgläubigkeit der Nachkriegszeit. 

Die selbsternannte «Hexe» brachte es tatsächlich auch fertig, die «Hexe von Buchenwald», die unfassbar brutale KZ-Aufseherin Ilse Koch, in ihrem Kabarett «Hexenküche» in Berlin als Fratze des deutschen Horrors zu spielen, obwohl von ihrer eigenen Familie niemand das Nazi-Regime überlebt hatte – außer ihr und ihrem Bruder, der ebenfalls in die USA emigiriert war. «Ich bin nicht normal», sagte Valeska Gert über sich. Das stimmt. Und deswegen ist es so inspirierend, die Memoi­ren dieser tabulosen Frau ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Till Briegleb

Weitere Beiträge
Bildband: Das Leben, ein Hammer

Weil das Theater für ihn zur Zeit wenig von sich hermacht, hat sich der an nachlassender Bilderlust nicht leidende Graphiker und Bühnenbildner Volker Pfüller mehr aufs Büchermachen und farbenreiche Landschaftsmalerei konzentriert. Er hat von 1979 bis 1986 in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Alexander Lang in Berlin dem Deutschen Theater mit...

Kampf um die Kunst

Die drei Künstlerfiguren, um die her­um sich nacheinander die Kulturkämpfe von Thomas Melles «Ode» entfalten, sind eines schon mal nicht oder zumindest nicht in reinster Form: weiße, heterosexuelle Normalmänner aus dem Bürgertum. Die Konzeptkünstlerin und Direktorin der Kunstakademie Anne Fratzer, die die Öffentlichkeit mit einer unsichtbaren Luft-Skulptur unter...

Kein Autopilot. Nirgends

In einer Rezension des deutschen Musikfilms «Ich war noch niemals in New York» las ich: «Man sollte sich bei Musicals nicht an der Triftigkeit von Handlungen aufhalten.» Ob es einen Kritiker in New York gibt, der so eine These wagen würde? Ich war im Herbst eine Woche in New York, um mir Musicals anzuschauen. Vom Schauspiel und der Schauspielausbildung kommend,...