Basel: Betreute Ekstase

Schimmelpfennig nach Euripides «Die Bacchen»

Theater heute - Logo

Wenn man sich die Jüngerinnen und Jünger des Orgiengurus Dionysos im Theater Basel so anschaut, könnte man fast auf einen neuen Wellness-Trend tippen. Das gegenseitige Einschlämmen mit optisch heilerdeähnlichen Substanzen nebst Kunstblut, das ein Grüppchen fleischfarbener Unterwäscheträger hier in einer eindrucksvollen Massenchoreografie zur begleitenden E-Gitarren-Zupfung des Musikers und Sängers Philipp Weber zelebriert, hat jedenfalls – allen Anarcho-Allüren zum Trotz – durchaus was von betreuter Ekstase: Entgleisungsyoga 2.0 sozusagen.

Und, toller kreativer Nebeneffekt: Auf der blütenweißen Unterlage, auf der die Materialschlacht vollzogen wird, entsteht nach und nach eine Art kollektives Zufallsgemälde, das sich später gut an der Bühnenhinterwand aufhängen lässt. Denn optisch trumpft Robert Borgmanns Inszenierung der «Bacchen» ordentlich auf: Ein riesiges Neonröhren-Pendel schwingt nahezu abendfüllend über Theben, und aus der Palmetshofer-Uraufführung «die unverheiratete», die der Regisseur 2014 am Wiener Burgtheater inszeniert hatte, sind außerdem – wenn auch eher randständig – wieder Eisblock und Erdhaufen dabei. 

Als Uraufführung ist übrigens auch dieser Antiken-Abend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2016
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Keep calm and carry on

Bern ist die Hauptstadt der Schweiz, Graz nur die der Steiermark. Von Bern nach Graz zu wechseln, das klingt also nach Abstieg. Ist es nicht, widerspricht Iris Laufenberg, die Anfang der Spielzeit vom Konzert Theater Bern ans Schauspielhaus Graz gewechselt ist. Erstens habe Graz doppelt so viele Einwohner (280.000), und zweitens sei sie hier Intendantin und nicht,...

Die anderen Seiten der Flucht

Manche Deutsche haben einen eigenartigen Humor, der sehr ironisch sein kann», warnt das kleine, blaue Buch, aus dem der Schauspieler Khalifa Natour vorliest. «Im Zweifelsfall lieber nachfragen, wie etwas gemeint ist. Andere wirken so, als hätten sie überhaupt keinen Humor.»

Was im Studio der Schaubühne am Lehniner Platz große Erheiterung beim Publikum auslöst, ist...

Wut

Wut 

(kleines Epos.

Geh bitte, Elfi, hast dus nicht etwas kleiner?)

 

© Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2016

 

Eine Saat? Eine Saat sollen wir sein? Männersaat, nein, da sind auch Frauen, geharnischt aber beide Geschlechter, manche auch nur geraubt, mit uns beiden sind wir, mit uns sind wir schon drei. Kurz zur Erinnerung, Sie...