Stuttgart: Schauspielhaus, Kammertheater/Nord
Da müsste doch Sprengkraft drinstecken: Hasko Weber eröffnet das sanierte Stuttgarter Schauspielhaus mit Schillers «Don Karlos» genau an jenem Tag, an dem der fast zwei Jahre lang umkämpfte Schlosspark neben dem Theater zugunsten von Stuttgart 21 geräumt wird und die heftigst verteidigten Bäume abgeholzt werden.
Dann beschwört die Aufführung auch noch vom ersten Moment an das Motiv der Revolution: «Der Aufstand beginnt mit einem Spaziergang», lautet der erste Satz, und in diesem Zusammenhang erinnert das Heiner-Müller-Zitat durchaus an die Anfänge der schwäbischen «Wutbürger»-Protestlawine. Außerdem beschwört das Bühnenbild von Thilo Reuter mit wandgroßen Fotomotiven den arabischen Frühling – dankenswerterweise hat Schiller dem Marquis von Posa den gerade aktuellen Verweis auf den «allgemeinen Frühling in der Welt» in den Mund gelegt. Schließlich wird auch noch der Mord an Karlos ausgebremst durch den ans Ende verlegten Satz: «Das Volk will ihn lebendig sehen oder ganz Madrid in Flammen aufgehen lassen.»
So wird das revolutionäre Brodeln, von dem im Stück immer nur die Rede ist, in den Blick gerückt – eigentlich eine sinnige Motivation für König Philipps Staatsterror. Doch Hasko ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Andreas Jüttner
Aachen, Grenzlandtheater
16. Walser, Das fliehende Pferd
R. Catharina Fillers
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
1. Cooney, Cash – Und ewig rauschen die Gelder
R. Dietrich Kunze
Aschaffenburg, Stadttheater
28. Kirchner, A.M.I.L.O. – Alte Männer in lächerlichen Outfits (U)
R. Heinz Kirchner
Augsburg, Theater
13. Kater, We are camera/jasonmaterial
R. Lilli-Hannah Hoepner
B...
TH Matthias Lilienthal, Kirsten Hehmeyer, Ihre Zeit am HAU geht im Juni zu Ende. In zehn Jahren ist aus dem Bühnenkombinat im nordwestlichen Kreuzberg eins der erfolgreichsten Theater der Hauptstadt geworden – zwei Einladungen zum nächsten Theatertreffen, gute Auslastungszahlen und, nicht zuletzt, eine zugewandte Presse. Das war 2003/04, als Sie die drei...
In unserer Zeit wäre Ibsens John Gabriel Borkman fein raus. Eine Bank ruinieren und ein paar hundert Kleinanleger um ihr Erspartes bringen gilt mittlerweile höchstens als Kavaliersdelikt. 1896, als Henrik Ibsen sein vorletztes Stück verfasste, waren Rettungsschirme für marode Geldinstitute noch nicht erfunden und ein Bankrotteur haftete mit seinem persönlichen...
