Das Boot war leer
Das Meer ist unergründlich und endlos weit, tosend, wild und unberechenbar: auch in Jon Fosses Theaterstück «Sommertag». Auf drei dominanten Prospekten hat Monika Gora (Bühne) es eingefangen, auf denen die Grenze zwischen Horizont und Himmelswolken verwischt. Im Vordergrund ein paar weiße Bretter in schiefer Bahn und ein blaugraues, wellengemustertes Sofa. Der offene Raum – das alte Haus am Fjord – wirkt ungemütlich und überdimensioniert, schwankt zwischen «Schöner Wohnen» in Airbrush-Ästhetik und kalt kargem Zuhause weitab der Zivilisation.
Axel Dietrich, der in Lübeck die deutschsprachige Erstaufführung übernommen hat, lässt hier den «Sommertag» mit einer langen Stille beginnen. Zwei schweigende Frauen, eine sitzend, eine stehend. Die eine, die «Ältere Frau» (Gitta Schweighöfer), blickt aus dem Fenster, die andere, die «Ältere Freundin» (Katrin Rehberg) in ihre Teetasse. Ihr «ich geh dann mal» versackt zunächst im Sofakissen, erst im zweiten Anlauf und nach einem brüchigen Wortwechsel mit der anderen stolziert sie beinah mondän, mit spitzen, garantiert Outdoor-untauglichen Schuhen in Richtung Meer.
Die «Ältere Frau» bleibt am Fenster stehen: Rückenansicht vor ...
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