Die Fausts im Nacken
In Frankfurt, wo Hochhäuser und Baukräne an den Himmel stoßen, der Euro dieser Tage immer wieder gerettet werden muss, das Elend vor der EZB kampiert – wo wenn nicht hier, ist heutzutage Faust-Land?
So oder so ähnlich hat es sich vielleicht eine Dramaturgin, vielleicht der Chef persönlich beim Blick aus dem Frankfurter Schauspielhaus gedacht. Das möchte man sich zumindest gern so vorstellen, wenn schon der ganze «Faust» zur Goethe-Festwoche im Programm läuft.
Eingeführt hat das Kurzfestival noch Elisabeth Schweeger, dankbar übernommen ihr Nachfolger Oliver Reese, der dieses Jahr auch viel Geld dafür bekommen hat. Was konsequent erscheint, schließlich ist das Motto «Goethe und das Geld» und Frankfurt nicht nur Geburtsstadt des geehrten Dichters, sondern auch Heimstatt gut genährter Banken. Deren größte und deutscheste hat pflicht- und dichtbewusst die Börse aufgetan und eine halbe Million Euro für das «Faust»-Projekt am Schauspielhaus springen lassen. Davon bezahlt man pädagogische Maßnahmen für den Nachwuchs, Begleitprogramm und beide Teile der Tragödie.
Verführt vom Überfluss
Vom ersten «Faust» hat Stefan Pucher erstmal viel gestrichen, Prolog und Vorspiel fallen aus. Auch die ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 31
von Kristin Becker
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