Mini- und Maximalismus
Amsterdam 1972. Gerade erst wurde die Pille erfunden und der Mond bereist, junge Menschen sind im Schlamm von Woodstock zu Jimi-Hendrix-Klängen übereinander
hergefallen, und kein Mensch wundert sich ernsthaft darüber, dass Lea nun schon zum dritten Mal heiratet. Auch nicht darüber, dass ihre Exmänner Alexander und David ebenso zur Hochzeit eingeladen sind wie Dory, die erste Frau ihres Mannes Nico: Man bleibt befreundet, ob man nun gerade zusammenfindet oder sich verlässt. Eine gelebte Utopie, vielleicht.
Oder doch eher der Zwang einer – ausgerechnet! – «Schicksalsgemeinschaft»?
Der 14. Gast
Es dauert eine ganze Weile, bis das weit verzweigte Personal von Judith Herzbergs Familientrilogie, die Stephan Kimmig am Deutschen Theater unter der Überschrift «Über Leben» inszeniert hat, durchschaubar wird. Dreizehn Personen, teils verwandt, teils befreundet oder angeheiratet, stehen im ersten Teil, «Leas Hochzeit», im fast leeren, von Katja Hass nur durch Sperrholzwände modellierten Bühnenraum und entwirren ihre komplizierten Beziehungen allein durch knappe Dialogfragmente. Als wäre er ein unheimlicher 14. Gast, taucht darin immer wieder der Holocaust auf: Ada und Simon haben das ...
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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt
Eine derart hipnessverdächtige Spätkarriere war von Beckmann nicht zu erwarten. Der vornamenlose Kriegsheimkehrer, der drei Jahre nach der Schlacht um Stalingrad ohne Kniescheibe, dafür aber mit seiner «Gasmaskenbrille» wieder in Hamburg auftaucht und an eine hartnäckig verschlossene Tür nach der anderen klopft, rockt anno 2011 bei Luk Perceval vergleichsweise...
Neulich in München: Die Vierte Wand ist weg. Und Gott ist tot. (Ausgerechnet in München! Der New Yorker Choreograf Richard Siegal, der bei Forsythe getanzt hat, in Paris lebt und zur Zeit in München arbeitet, inszeniert nicht mehr das große, schröckliche und lehrreiche Drama vom Verschwinden der Vierten Wand, er ignoriert sie nicht einmal mehr. Zur Aufführung von...
Denkmalgeschützt ist der Komplex der ehemaligen Kölner KFZ-Anmeldestelle gewiss nicht. In seiner Verkommenheit und der Aura des Exterritorialen lag für SIGNA der Reiz, den mehrstöckigen Riegel aus Ziegeln und Beton mit bröckelnden Kanten und heruntergelassenen Jalousien für eine Performance-Installation umzuwidmen – die dritte von Signa & Arthur Köstler sowie...
