«Hier stehe ich, ich kann nicht anders»
Es gibt diese Bemerkung von Furio Colombo aus Pasolinis letztem Interview: «Die Situation, die du ständig anprangerst, sie ist es letztlich, die dir erlaubt, Pasolini zu sein.» Man ist als Künstler auf den Widerstand angewiesen, an dem man sich reibt. Es ist unsere Aufgabe, die Grenzen der Kunst immer weiter auszudehnen: neue, noch unbekannte Akteure zu erfinden, utopische Räume zu öffnen, die Realität um das zu erweitern, was ihr fehlt, im Positiven wie im Negativen.
Es gibt kein Tribunal gegen globale Wirtschaftsverbrechen, also haben wir es mit dem «Kongo Tribunal» geschaffen – mitten im Bürgerkriegsgebiet. Wenn es dann zu Entführungen kommt, dann muss man das hinnehmen. In «Five Easy Pieces» dagegen geht es um eine Selbstbefragung des Theaters: Was geschieht, wenn wir Kinder dem Voyeurismus und der – sexualisierten – Gefühls- und Authentizitätsproduktion der Bühne auszusetzen? Wenn sich daraus eine Debatte über Nacktheit und Pädophilie entwickelt, muss man diese führen.
Die künstlerische Geste – und damit auch ihre potenzielle Grenzenlosigkeit – beruht auf zwei Legitimationen, die untereinander zusammenhängen. Denn was mir am postmodernen Aktivismus und an der Polit-Satire ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 52
von Milo Rau
Und wenn ich mich trotzdem vermehren will? Sie hat die Schnauze voll von scheiternden Beziehungen und den endlosen Was-wäre-wenn-Gesprächen und Selbstbefragungen, die irgendwann einmal zu der Zeugung eines gemeinsamen Kindes führen könnten. Sie entscheidet sich, eigenständig zu handeln.
Und trifft auf den Arzt, einen erfolgreichen Reproduktionsmediziner, der legale...
«Ich bin klein
mein Herz ist rein.
Soll niemand drin wohnen
Als Jesus allein.»
Wie viele Kinder müssen dieses Gebet vor dem Schlafengehen aufsagen? Es ist ein Ritual, und als solches schadet es nicht. Man spricht es, weil die Eltern es verlangen. Und irgendwann will man es vielleicht selber auch sprechen, weil man es nicht anders kennt. Die Rebellion setzt erst später...
Szene acht
Am nächsten Tag.
Derselbe Raum.
Bashir und Nick. An den Tischen. Nick erklärt. Bashir hört zu und reagiert. Computer
aufgeklappt vor ihm.
Nick Das Wichtigste am Geld ist, dass die Menschen es nicht gern verlieren, Bashir. Die Menschen, die Firmen, die Regierungen.
Also suchen sie immer nach einem sicheren Ort dafür. Siebzig Jahre lang war der sicherste...
