Die minimalistische Phase

Ex-Hollandia-Direktor Johan Simons hat das Nationaltheater im belgischen Gent übernommen und inszeniert zum Auftakt Arnon Grünbergs «Der Vogel ist krank» und Michel Houellebecqs «Plattform»

Theater heute - Logo

Als Johan Simons begann, Theater zu machen, bestand er darauf, seine Aufführun­gen stets außerhalb der festen Häuser zu zeigen. Seine Gruppe Hollandia spielte überall dort, wo Theater nicht hinpasste, in Wohnungen und Hühnerställen, in Gewächshäusern und auf dem Acker, in verrotteten Fabriken und postmodernen Bürokomplexen. Aus der Not, keine eigene Bühne zu haben, machten sie die Tugend, den Ort zur Quintessenz der Aufführung zu erheben – site specific work als gesellschaftliches Parameter, ein Reisetheater, dem die Zuschauer nachfolgten.



Je mehr der Ruhm der Gruppe im In- und Ausland wuchs, desto länger und auch ermüdender wurden die Reisen für Akteure und Publikum. Als Folge wurde Simons, was er nie werden wollte: Intendant eines Stadttheaters, zuerst im holländischen Eindhoven, seit Beginn dieser Spielzeit im belgischen Gent. Dort eröffnete er im Oktober 2005 mit einem Feier-Wochenende, bei dem es neben zwei Premieren auch szenische Gastgeschenke gab, von Freunden wie Christoph Marthaler oder Christoph Homberger: kleine liebevolle Einmal-Aufführungen, bunte Abende mit Sketchen, Gesang und Essen. Sogar das altehrwürdige Gebäude des «Nederlandse Toneel Gent» (NT Gent) wurde ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2006
Rubrik: Ausland Gent, Seite 30
von Renate Klett

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Inszenierung des Realen

Die «Rückkehr der Bürgerlichkeit» war in den letzten Mo­naten der große Dauerbrenner unter den Feuilleton­debatten. Bei allen Streitereien darüber, wie das angeb­liche Revival bürgerlicher Lebensart (Stichwort Messer­bänkchen) denn nun einzuordnen sei, bei allem Gezeter darum, ob die Forderung nach mehr bürgerlichen Tugenden (Stichwort Eigenverantwortung und...

Die Schöpfung geht weiter

I love you»: Mit rotem Herzen und entsprechendem Bekenntnis erstrahlte das weiße Kapuzenshirt von Rainald Goetz, als er jüngst in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz einem Seelenverwandten seine Reverenz erwies. Es war ein glücklicher Einfall, den «schlaflosesten Zeitgenossen der pubertierenden Berliner Republik» (so kürzlich Gustav Seibt in der...

Der schnelle Weg nach Osten

Dieser Trigorin ist nicht von hier. Nicht, dass er keine Manieren hätte, die Sprache nicht beherrschte oder der einzig Blonde unter Brünetten wäre. Es sind Nuancen, die den etablierten Schriftsteller aus Tschechows «Möwe» von der Theaterfamilie unterscheiden, in der er als Freund und Begleiter der Schauspielerin Irina Nikolajewna Arkadina (Eszter Csakanyi) zu Gast...