Die Sternstunden kommen noch

Lars-Ole Walburg und sein Team übernehmen in Hannover ein gutgeöltes Theater und spielen Geschichte: mit Heiner Müller, Grimmelshausen, Wilhelm Busch und Tschechow durch die Zeiten

Theater heute - Logo

Der Leibniz-Butterkeks ist eine etwas bröselige Angelegenheit mit strengem Charme. Trocken, fast staubig und sehr haltbar. Geschmack entwickelt sich erst nach längerem Daraufherumkauen oder Eintunken und auch dann nicht zu viel. Manche Schachtel liegt halb angebrochen monatelang im Schrank. Irgendwann kommt ihre Zeit. Ein Dauerkeks. Vielleicht hat ihn der alte Bahlsen deshalb nach Gottfried Wilhelm Leibniz benannt, dem Hannoveraner Philosophen, weil der sich unter anderem die Theodizee ausgedacht hat, eine bescheidene Zufriedenheitsphilosophie aus dem 17. Jahrhundert.

Nach ihr leben wir trotz aller weltbekannten Übel immer noch in der bestmöglichen aller Welten. Sozusagen philosophischer Dauerkeks. Vielleicht wollte auch nur der eine Hannoveraner den anderen Hannoveraner vor sein Produkt spannen, also lokalpatriotischer Doppelkeks. Vielleicht steckt aber doch eine spezielle Hannover-Dialektik dahinter? Große Ideen einerseits, standhaftes Gebrösel andererseits.

So betrachtet ist Heiner Müller der ideale Hannover-Dramatiker. Sein Thema, die DDR, war eine Riesenidee, die übel zerstaubt ist. Und sein letztes Stück, «Wolokolamsker Chaussee I–V», sein bestes Stück für Hannover: eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2009
Rubrik: Starts, Seite 32
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Theater im TV

Der amerikanische Regie-Altmeister Robert Wilson und Popstar Rufus Wainwright (35) fanden in ihrer Liebe zu Shakespeare zueinander und zelebrierten am Berliner Ensemble einen Abend zwischen Traum und Theaterwirklichkeit: «Shakespeare Sonette», 5.12., 19.40 Uhr, ZDF Theaterkanal.
 

Fernsehen

Dienstag, 1.
14.45, Theaterkanal: Die Patiencen der Weigel – ein Film (2000)...

Herr der Zahlen

In Frankfurt wird das Schauspiel wieder groß geschrieben. Nach acht Jahren «schauspielfrankfurt» unter Elisabeth Schweeger hat Oliver Reese sich auf alte Tugenden besonnen. Deshalb heißt das Kleine Haus nun wieder Kammerspiele, das Große Haus Schauspielhaus, und statt der Schmidtstraße werden das Bockenheimer Depot und eine schwarze Box im Foyer bespielt. Es gibt...

Maos Alzheimer

frage: was wird man schon bei einem fünf-minütigen besuch in peking sehen? antwort: zunächst einmal zahlen. ja, jede menge zahlen haben sich schon vor der ankunft vorgedrängt und verstellen einem bei der ankunft die sicht auf die stadt. und es sind nicht etwa mickrige europäische zahlen, nein, hier hat man es immer mit millionen und hunderten millionen, mit...