«Ich will niemanden abhalten, Schulden zu machen»
Theater Heute Kathrin Röggla, in Ihrem neuesten Theaterstück «draußen tobt die dunkelziffer» wimmelt es von Leuten, die tief in den Miesen stecken. Kennen Sie das aus eigener Erfahrung?
Kathrin Röggla (lacht) Wir alle sind verschuldet! Das ist unsere Grunddisposition! Ich muss lachen, weil ich gerade Gilles Deleuzes Postscriptum zu Foucaults «Kontrollgesellschaften» gelesen habe. Darin sagt er, dass der Mensch der heutigen Kontrollgesellschaft der «verschuldete» oder schuldige Mensch ist. Ein Aspekt, der mir bei einer frühreren Lektüre nicht aufgefallen ist.
TH Schuldig im christlichen Sinn?
Röggla Von Christentum spricht Deleuze an dieser Stelle nicht, aber er bezieht sich ja auf Foucault, der mit seinem Begriff der «Gouvernementalität» durchaus eine Verbindung herstellt. Bezieht man diesen Begriff auf heute, kann man darunter die Verbindung von Regierung und Selbstregierung im neoliberalen Regime erkennen, die durchaus auch ihre Wurzeln im Religiösen hat. In der Kontrollgesellschaft haben wir Normen, deren Einhaltung früher vom Staat kontrolliert wurde, dermaßen verinnerlicht, dass wir sie für unsere eigenen halten. Überhaupt hat sich das Verhältnis von Innen und Außen verschoben. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie wohl hätte man sich heute einen «Weltverbesserer» vorzustellen, einen, der von sich sagt, «mein Kampf ist ein Kampf um das Glück aller; sollte ich glücklich sein, so müssten es zuerst alle andern Menschen um mich herum sein»? Getroffen hat man ja schon länger keinen mehr.
Wäre so einer jung und bei Attac, wäre er ein übrig gebliebener 68er, wäre er eine...
Vorstädte zu Denkmälern, Zechen zu Golfplätzen! Die aktuelle Ausgabe des polnischen Magazins «Ozon» berichtet über die geplante Umnutzung zahlreicher Brachen in den vormaligen realsozialistischen Bergbau- und Schwerindustrieregionen. Zwischen entsprechenden architektonischen Hinterlassenschaften und großangelegten Nutzungskonzepten lassen sich, davon zeugen auch...
Berlin hat ihr kein Glück gebracht: im Theater. Da hatte Bernd Wilms für den Neustart am Deutschen Theater unter anderem Anika Mauer aus Bremen weg engagiert: ein Missverständnis, allerbestenfalls. Zuvor umschwärmt und von allen und jedem im Bremer Haus gepflegt als existenzielle, hingebungsvolle Protagonistin für Konstanze Lauterbach und Thomas Bischoff, als...
