Frauenzimmerchen!
Für jeden Hotelmanager wäre es eine echte Herausforderung: Quadratmetergroße Wasserflecken auf den kahlen Wänden, die halbe Decke mit durchlöcherter Plastikverschalung hängt absturzgefährdet windschief, der Fußboden sieht aus wie nach einem mittleren Raketenangriff. Die Bruchbude ist keinen halben Stern mehr wert und muss nach gerade überstandenem Krieg dringend aufgemöbelt werden.
Doch Udo Samels Wirt schwebt zur noch vorhandenen Tür herein mit öligem Charme, gesichtszerreißend zufriedenem Grinsen, und trötet auf den Vokalen, als ob die Welt in der komfortabelsten Ordnung wäre. Alles halb so schlimm, signalisiert der darstellernde Wonneproppen, schlimmstenfalls «ein Lustspiel». Mit was auch immer Andrea Breths Inszenierung zu tun hat, Wirklichkeit wird man es kaum nennen können.
Der siebenjährige Krieg, nach dessen Ende «Minna von Barnhelm» datumsgenau spielt, war eine blutige und für Preußen um ein Haar fatale Aggressionskampagne: 7 große Feldzüge, 17 ausgewachsene Schlachten, kleinere Kampfhandlungen sowie Belagerungen nicht mitgerechnet. Danach war die Bevölkerung um über 10 Prozent dezimiert, 180.000 Soldaten und 1500 Offiziere umgekommen, die männlichen Linien ganzer ...
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Ganz am Schluss heißt es plötzlich im Programmheft: «ja / ja / ja / ja / ja / jajaja / ja / ja / ja / ja / ja / ja / jaaa / mein Gott / ist das geil». Der Titel des Gedichts (bitte laut lesen): «Im Bett», der Autor: Rainald Goetz. Dass diese rundum begeisterten Zeilen der deutschen Popdichterikone, dass diese nackte Affirmation hinter Max Frisch, Sigmund Freud,...
Keinem deutschen Theatermann wurden nach Max Reinhardt und Bertolt Brecht so viele Bücher, Studien, Bildbände, Ausstellungen und Filmporträts gewidmet wie Gustaf Gründgens. Ob als Snob, zwielichtiger Ganove, disziplinierter Staatsintendant, mephistophelischer Anarch beim Tanz auf dem Vulkan, fürsorglicher Ensemblechef – alles Schillernde verwandelte sich in...
Da war ein Bub aus Graz, der war anders als die Absolventen der Ernst-Busch-Schule, nicht so technisch versiert, seiner selbst gewiss und mordsmäßig perfekt, erzählt über Christoph Luser ein Schauspieler – Österreicher wie er und mit ihm eine Zeitlang im Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses. Ältere Kollegen habe er tatsächlich wahrgenommen und sei ihnen...
