Frauen am Rande des Handyterrors
Alltagsmenschen im Ausnahmezustand interessieren Sergi Belbel sehr. Um sie möglichst schnell dahin zu bringen, verwendet er starken Zündstoff: Kidnapping, schwere Unfälle, Terroranschläge sind Auslöser für plötzliche Seelenauffaltungen mittlerer Manager oder bringen festgefahrene Familienstrukturen in Bewegung. Er treibt seine Menschen rasch in die Katastrophe und zoomt sie dann ganz nah heran. Denn nur in diesen Momenten sondern sie plötzlich eine starke Dosis Persönlichkeit ab.
Als verwirrte, überforderte, verängstigte Gefühlsmonster werden sie plötzlich erkennbar, wahrhaftig und anrührend.
Sergi Belbel, 43 Jahre alt und Botschafter zeitgenössischer katalanischer Dramatik, hat ein neues starkes Stück geschrieben. Es handelt von Frauen um die 50, zwei Müttern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und von deren Kindern. Eins haben alle gemeinsam: Sie hegen eine tiefe Zuneigung zu ihren Handys.
Sara wird von ihrer Tochter Rosa zum Flughafen gebracht. Eigentlich will sie gar nicht verreisen, ist unentschlossen, unsicher, und sie nervt. Folgt Rosa aber doch, weil die es gut meint und ihr schließlich den Urlaub geschenkt hat. Die Mutter musste einfach mal raus. Schluss mit der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
… wurde 2006 dem Ärgernis des Jahres zuteil: Mehr als die Hälfte unserer 38 Kritiker, nämlich 24, erregten sich über die allseitige Regelverletzung der sprichwörtlich gewordenen Frankfurter «Spiralblockaffäre» und einem mit Ignoranz glänzendem «Spiegel»-Artikel des Pop-Literaten Joachim Lottmann im Gefolge, in der sich Schauspieler, Intendantin, Oberbürgermeisterin...
Da hocken sie wieder, wie jedes Jahr, und draußen in der Welt rauscht das Leben vorüber. «Oh Gott, ist das öde und blöde», stöhnt Anna Petrowna mit Blick auf all die Dummschwätzer und Luschen, die sich auf ihrem Gut versammelt haben und nur auf eines warten: das Mittagessen. Dick sind sie geworden, der Winter war lang. Ihre Leiber schwitzen in der Sonne, und in...
Wen wundert es, dass 22 Jahre nach «Die Unvernünftigen sterben aus» das neue Handke-Stück den Titel «Spuren der Verirrten» trägt. Etwas erinnert das Stück an das 15 Jahre zuvor entstandene Schauspiel «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten». Damals ein Schauspiel im Wortsinn, denn es ist ein wortloses, also stummes Spiel, in dem ein Platz den Mittelpunkt der...
