Vom Aperçu zur Abrissbirne
Der Butler (Dirk Audehm) torkelt wie der selige Freddie Frinton aus «Dinner for One» den Afternoon-Tea für die Damen herbei – in einem Bühnenbild (von Marc Bausback), das mit Fotojalousien und rot-grünem Primärkontrastmobiliar ironisch einen süßlichen Hauch von Empire-Wohnstube verströmt. Nicht süßlich, eher schon echter Kandiszucker sind die funkelnd aufkostümierten Wellness-Ladies der Londoner High Society.
Wenn der Plot um die Korruptionsaffäre des beklagenswert unidealen Business-Mannes Lord Chiltern angeschoben wird, orgelt Live-Pianist Falk Effenberger Signalmusiken à la 50er-Jahre-Krimi von der Seite rein. Und alle lächeln breit ins Publikum.
Während Herbert Fritsch gewissermaßen den Typus der Boulevard-Komödie auf LSD nach Schwerin gebracht hat, zieht Christian Weise im großen Haus des Staatstheaters eher am guten alten Boulevard-Joint. Anfangs zumindest. Da gibt man sich ein bisschen schrill und schnippt gelegentlich eine Zote über die Rampe, was mit Elfriede Jelineks Neubearbeitung von Oscar Wildes «An Ideal Husband» nicht schwerfällt. Wo Wilde mit geistreich analytischen Bonmots punktet, steuert Jelinek Kalauer der mittleren Jelinek-Preisklasse bei. Auf das dritte bis ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Christian Rakow
Liebe Redaktion,
Sie wollen wissen, wie es in Russland um die Zensur steht, und in wie weit Theater und andere Künste darunter leiden. Wenn ich Ihre Frage mit einem Satz beantworten könnte, würde ich sagen: Die Sache ist paradox. Einem Außenstehenden ist es fast unmöglich, sich in den Spinnwebfäden unseres politischen Lebens zurechtzufinden und insbesondere die...
Gerade mal 23 ist Laura Naumann, vier Stücke hat sie geschrieben, und an Wettbewerben und Preisen hat sie vom Berliner Stückemarkt bis zu den Autorentheatertagen am DT schon mitgenommen, was mitzunehmen ist. Nebenbei studiert sie im Performancecluster Hildesheim Kreatives Schreiben und ist Mitglied der Game-Performer MachinaEx, deren surreale Spielinstallationen...
«Warum nimmt ein Jude keine Schmerzmittel? – Weil der Schmerz dann aufhört.» Sollte man ruhig öfter probieren: Zum Auftakt eines Theaterabends ein paar Witze erzählen, so wie Natalia Belitski in der Box des Deutschen Theaters. Das lockert auf und wärmt an. Und verspricht im Fall von Marianna Salzmanns «Muttersprache Mameloschn» obendrein etwas, das auch gehalten...
