Vom Aperçu zur Abrissbirne

Theater Schwerin: Elfriede Jelinek nach Oscar Wilde «Der ideale Mann»

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Der Butler (Dirk Audehm) torkelt wie der selige Freddie Frinton aus «Dinner for One» den Afternoon-Tea für die Damen herbei – in einem Bühnenbild (von Marc Bausback), das mit Fotojalousien und rot-grünem Primärkontrastmobiliar ironisch einen süßlichen Hauch von Empire-Wohnstube verströmt. Nicht süßlich, eher schon echter Kandiszucker sind die funkelnd aufkostümierten Wellness-Ladies der Londoner High Society.

Wenn der Plot um die Korruptionsaffäre des beklagenswert unidealen Business-Mannes Lord Chiltern angeschoben wird, orgelt Live-Pianist Falk Effenberger Signalmusiken à la 50er-Jahre-Krimi von der Seite rein. Und alle lächeln breit ins Publikum.

Während Herbert Fritsch gewissermaßen den Typus der Boulevard-Komödie auf LSD nach Schwerin gebracht hat, zieht Christian Weise im großen Haus des Staatstheaters eher am guten alten Boulevard-Joint. Anfangs zumindest. Da gibt man sich ein bisschen schrill und schnippt gelegentlich eine Zote über die Rampe, was mit Elfriede Jelineks Neubearbeitung von Oscar Wildes «An Ideal Husband» nicht schwerfällt. Wo Wilde mit geistreich analytischen Bonmots punktet, steuert Jelinek Kalauer der mittleren Jelinek-Preisklasse bei. Auf das dritte bis ...

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Theater heute November 2012
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Christian Rakow

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