Stalin schläft
Wer eine knappe Viertelstunde vor Schluss, nach gut fünfeinhalb Stunden in den kuscheligen Polstern des Wiener Burgtheaters noch einen Hinweis nötig hatte, worum es geht, den klärte Sophie Rois auf: «Die Burg gehört jetzt mir!» Wobei «die Burg» mindestens dreierlei bedeutet: Neben dem österreichischen Nationaltheater, dem am Tag vor der Premiere der Direktor per ministeriellem Sofort-Rausschmiss abhanden gekommen war, vor allem das Bühnenbild von Bert Neumann: Ein munter auf der Drehbühne kreiselnder, riesiger mittelalterlicher Burghof, dem Innen- und Außenraum nahtlos ineinander
übergehen, mit einem düsteren Turm, neckischen Verliesen und einem gern benutzten offenen Abtritt an der Mauer, der auch als Dusche benutzt werden kann. Der monströse holzgezimmerte Abenteuer-Spielplatz für große Kinder darf aber ebenso als Staat gelesen werden: Die schwarze Burg vor leuchtend sowjet-rot ausgehängtem Hintergrund muss mindestens der Farbsymbolik nach auch ein Zeichen alter Größe unter Stalin sein, zu dem Frank Castorf seit je ein respektvoll-freundschaftliches Verhältnis pflegt. Er suche ja immer nach dem Stalin in sich, hatte Castorf schon vor 20 Jahren gern in Interviews bekundet. So ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Franz Wille
Berlin,
Ballhaus Naunynstraße
7. Abdel-Maksoud, Kings (U)
Regie Nora Abdel-Maksoud
Berlin, SophiensÆle
16.–18. Morris, Feminine Fun Studies
Regie Chuck Morris
23.–28. Interrobang,
Preenacting Europe
Performance von und mit Till Müller-Klug, Nina Tecklenburg, Lajos Talamonti,
Ekkehard Ehlers
29.–31. Koikate, Ich bin Viele
(Die kleine Meerjungfrau)
Performance von und mit...
Es gibt ein Tabuwort im Großgespräch, das – mit zunehmendem Crescendo zwischen November und Anfang Februar – in der Theatertreffen-Jury geführt wird. Das Wort heißt «Tableau» und bezeichnet das Gesamtergebnis der letzten Jurydiskussion: das Programm, das alljährlich im Mai die Theatersäle in Berlin füllen soll. Auf das Tableau soll eigentlich kein einziger Gedanke...
Auf dem Spielplatz gab es doch immer diese Jungs, die Quartettkarten vor sich auf den sandigen Boden knallten. Mit einem routinierten «Reichweite 4.800 km» oder «Fluggeschwindigkeit 3.500 km/h sticht» spielten sie Kampfjets (wahlweise Panzer oder Wildtiere) gegeneinander aus. Dasselbe vertraute Stimmungskonglomerat aus Klugscheißerei, bürokratischem Eifer und...
