Kurz vor der Erkenntnis

Franziska Betz über Charlotte Roos «Wir schweben wieder»

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Ursprünglich hatte Charlotte Roos «Wir schweben wieder» mit dem Arbeitstitel «Brillen» überschrieben. Brillen stehen im Kontext des Stückes für eine bestimmte Weltanschauung, eine Haltung, eine gesellschaftspolitische Perspektive auf die Gegenwart. Sie stehen aber auch für mangelhaftes Sehvermögen, das die Autorin an einer Stelle als immer gleiche Kurzsichtigkeit «mit einer Hornhautverkrümmung am linken Auge» präzisiert.

«Wir schweben wieder» erzählt von fünf unterschiedlichen Typen unserer Zeit, die in komischer Verzweiflung durch das weltanschauliche Dickicht der Gegenwart irren und nach Durchblick suchen. Ansonsten verbindet die fünf erst einmal wenig. Wie einsame Satelliten umkreisen sie ein Thema, monologisieren, schrauben sich immer weiter in ihre Perspektive hinein und sind schließlich kaum mehr anschlussfähig.

Laura übersetzt auf dem Weltklimagipfel Brandreden des venezolanischen Präsidenten gegen die imperialistische Weltdiktatur, kann aber inhaltlich anscheinend nicht immer ganz folgen. Ihr dauerdepressiver Freund Carl leidet währenddessen an völliger Gleichgültigkeit: fehlende Energie, Motivationsverlust, erschöpftes Selbst. «Das wird schon wieder», echot sein Umfeld. ...

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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 177
von Franziska Betz

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