Klytämnestras Blutrausch
Der giftige Saft der Tollkirsche (Atropa belladonna) verlieh, in die Augen geträufelt, einen träumerischen Blick und war ein Aphrodisiakum und Schönheitsmittel der Frauen; doch Atropa ist auch der Name der griechischen Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden durchschneidet. Die Frauen, ob Mutter, Tochter, Gattin, Geliebte, Rivalin oder Feindin, ob Griechin oder Trojanerin, in «Atropa» werden sie zu Schicksalsschwestern in Liebe und Tod.
Das Stück ist eine Trilogie über Krieg, Gewalt, Liebe und die Macht der Sprache, in dem verstörend und eindrucksvoll immer wieder männliches Heldengetöse und Machtgefasel den Geschichten vom individuellen Leid der Frauen gegenüberstehen. Es sind Geschichten von rücksichtsloser Instrumentalisierung, von Tod und Auslöschung im Namen einer zweifelhaften «Kultur», Geschichten von Jungfrauen, die geschlachtet oder in den Wahnsinn getrieben werden, von verschleppten und versklavten Frauen, von Müttern, die ihre Kinder und Männer verlieren und schließlich ihr eigenes Leben. Doch es sind auch Geschichten von rasender, von blind machender, von unglücklicher und verhängnisvoller Lieabe in Zeiten des Krieges.
«Atropa – Die Rache des Friedens» von Tom Lanoye ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 166
von Frank Behnke
Ich habe einen Preis bekommen für ein Stück, das zu einem großen Teil aus Reden besteht. Das müßte man nicht eigens betonen, aber es gibt ja auch Stücke, in denen keiner spricht. Boten berichten von etwas, von dem man nicht sprechen kann (im Unterschied zu Stücken, in denen man nicht unbedingt sprechen muß, aber darf) und von dem sie noch dazu ein Teil sind. Sie...
Es gibt diese Filme, die starten mit dem Blick aus dem Weltall auf die Erde, eine blaue, sich im Unendlichen drehende Kugel. Dann beginnt die Kamerafahrt, und die Erde kommt näher, wir können Ozeane und Kontinente unterscheiden, als nächstes sieht das aus wie ein Google-Bild, wir nähern uns einem Land, einer Region, einer Stadt, einer Straße, einem Haus, und...
Ich habe nie zu den Schauspielern gehört, die auf der Bühne weinen können. Schon auf der Schauspielschule hat uns diese Fähigkeit knallhart in zwei Klassen eingeteilt: in die schauspielerische Oberschicht, den Adel, wenn nicht sogar den hochtalentierten, heulenden Hochadel, die, denen echte Tränen übers Gesicht rinnen, und in die anderen: das Fußvolk, das...
