Die Sekunde der wahren Empfindung
Wer mit Ungeheuern kämpft», schrieb Nietzsche, «mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.» Von den Monstern unseres Energiezeitalters und der Liebe zwischen einer Biene und einem Wal erzählt Roland Schimmelpfennig in seinem 2013 in Tokyo uraufgeführtem Stück.
Ein kleines Hotel am Hafen. Jede Woche treffen sich hier drei Paare und mieten sich für ein paar Stunden ein Zimmer. Während Frau Z. mit Herrn A. im Bett liegt, betrügt Herr Z. sie nebenan mit Frau Y. Und in Zimmer Nr. 3 schläft Herr Y. mit Frau A. Keiner ahnt, was im Nachbarzimmer geschieht.
Die verheirateten Frauen und Männer, die sich heimlich treffen, haben ihren außerehelichen Geschlechtsverkehr perfekt organisiert. Alles läuft nach Plan, wie auf einem Großflughafen. Denn jedes Paar hat seine festen Rituale.
Das erzählt der Junge mit der Brille, der hier Hotelportier ist, und dem Mädchen mit dem Fahrrad Liebesbotschaften simst. Sie nennt ihn Wal, und er nennt sie Biene. Am liebsten würden sie noch heute heiraten. Aber wie in der Ballade von den zwei Königskindern begegnen sie sich nie. Weil er am Hafen arbeitet und sie auf einem Berg wohnt. Nichts kann diese heimlichen Montagsaffären erschüttern, es sei ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 190
von Ingoh Brux
Geflüchteten Menschen die Bühne zu überlassen, damit sie für sich selbst sprechen können, scheint das probate Mittel zu sein, um als Theater auf die untragbare Situation der Geflüchteten in Europa reagieren zu können. Dass sich diese Haltung weitgehend durchgesetzt hat, rührt auch von der verstärkten Selbstrepräsentation der Geflüchteten her, die in Protestcamps in...
Theater heute Lieber Wolfram Lotz, Paragraph 12 ihres Manifests im Jahrbuch 2014 lautete: «Im Theater ist das Gelingen des Lebens der Arbeitenden von Bedeutung, aber nicht nur dort.» Was sind die Bedingungen für das gelingende Leben eines Theaterautors?
Wolfram Lotz Ich befürchte, es gibt kein gelingendes Leben als Theaterautor, man kann als Theaterautor...
Ein großbürgerliches Wohnzimmer unserer Zeit. Altbau. Europa. Die Leute, die hier wohnen, haben Geschmack, sie verbinden gekonnt Modernes mit Altem, sie haben genug Geld, aber es muss auch nicht alles perfekt sein. Ikea trifft Biedermeier und Charles Eames und Flohmarkt. Sie lesen Bücher, sie haben studiert.» Pointiert skizziert Roland Schimmelpfennig den...
