Die letzten Tage der Menschheit
Die keusche Venus links hinten im Eck hat schon deutlich bessere Tage gesehen. Ein grober Sack verhängt ihren Kopf, und die Ausarbeitung von Armen und Händen der griechischen Statue lässt etwas zu wünschen übrig. Zu ihren Füßen liegt nichts, was ihren Schönheitssinn beflügeln könnte: ein eher korpulenter nackter Mann aus Hartplastik, über fünf Meter rücklings hingestreckt quer zur Rampe, den immerhin gut sichtbaren Kopf leicht zum Publikum geneigt. Er trägt unverkennbar die Züge von Bruno Cathomas, der aus weit geöffneten, schreckstarren Augen ins Leere glotzt.
Cathomas scheint überhaupt ein beliebtes Modell der Kunstgeschichte zu sein. An den weinroten Wänden drumrum hängen unverkennbar Dürer, Van Gogh, Kandinsky, Rembrandt, Lichtenstein, Munch, Mapplethorpe und viele andere Klassiker des Tafelbilds mehr, die den Kölner Schauspieler oder seine Kollegin Kate Strong verewigt haben: Meisterwerke der Menschheit, ihrer Kunst und Kultur, quer durch die Jahrhunderte.
Regisseur und Bühnenbildner Ersan Mondtag hat Sibylle Bergs «Wonderland Ave.» im depot 2 des Kölner Schauspiels sozusagen strafverschärfend in ein Museum verlegt. Denn hinter dem ansprechenden Titel und Ort der Handlung ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Franz Wille
Stadttheater machen heißt, das Theater von der Stadt her denken. Politik ist der Bereich, in dem die Stadt sich selbst organisiert und entscheidet, was ihr wichtig ist. Wenn die Politik sich die Stadt ohne Theater denkt, hat das Theater keine Chance. Dann muss das Theater sich selbst wegdenken.
Die Stadt
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