Berlin: Plastik & Plastik
So kann man Dr. Heinrich Faust auch sehen: ein adretter Herr im dunklen Anzug, grelle Blässe im Gesicht, je nach Alter mal mit, mal ohne Bart, der gerne und viel redet. Solche mittleren Universitätsangestellten sind mehr denn je verbreitet, weshalb der wortreich hadernde Herr Professor in «Faust I» gleich viermal vertreten ist und sich die Versbrocken brav aufteilt. Zumal in diesen Kreisen ohnehin jeder jeden zitiert, mit oder ohne Fußnote. Auch sein Gretchen ist qua Persönlichkeit nichts Besonderes.
Es gibt drei davon, nicht mehr ganz junge, biedere, weiße, heterosexuelle Zopfmaiden in Kinderkleidchen, die furchtbar betuliche Vorstellungen von Ehe, Sittsamkeit und Liebe haben: Der Text stammt bekanntlich aus dem frühen 19. Jahrhundert, Autor ein gewisser Goethe.
Deutlich individueller interessiert sich Regisseur Robert Wilson für Herrn Mephisto von Christopher Nell, der im dezenten ledernen Rockeroutfit auf nackter Brust wie ein umgänglicher Rausschmeißer aus dem Bahnhofsviertel aufkreuzt. Seine zwei neckischen Hörnchen auf der kupferroten Mähne und die mächtig vorschiebende Hüfte sehen aus wie ein netter Karnevalsscherz und entsprechen durchaus seinem Humor: nicht ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Franz Wille
Für einen Ort, an dem ein Theater der Superlative entsteht, sieht die Pastorijstraat 23 eher unscheinbar aus. Das Probenzentrum von Jan Fabres Performance-Truppe Troubleyn, benannt nach dem Mädchennamen seiner Mutter Helena, befindet sich im ehemaligen Antwerpener Arbeiterviertel nordöstlich des Hauptbahnhofs. Fabre ist hier um die Ecke aufgewachsen, als Sohn des...
Guinea Bissau an der afrikanischen Westküste gehört zu den am geringsten entwickelten Ländern weltweit. Wer Bilder von dort mit am Rand des Überlebens hungernden Kindern sieht, dem wird das Herz klamm. Wer daran glaubt, dass gespendete zehn Euro schon einen kleinen Jungen für einen Monat satt machen können, der spendet (frei-)willig. Und fühlt sich danach...
Und sie dreht sich immer noch. Claudia Bauer, ab nächster Spielzeit Hausregisseurin in Leipzig, nutzt bei ihrer Version von Jean Genets selten gespieltem Stück «Splendid’s» ausgiebig die Drehbühne, auf die Andreas Auerbach ein Filmstudio inszeniert hat. Das auf der Hinterbühne versammelte Publikum sitzt also vor einem geschlossenen Kasten aus Sperrholz, in dessen...
