Die Berufungsfarce
Seit Kaiser Franz Josephs Zeiten (bis zur Ära des János Kádár) haben Politiker entschieden, wer Intendant des Nationaltheaters wird. Ich verstehe nicht, wieso sie jetzt unbedingt diese Wettbewerbsfarce brauchen», bemerkte Mari Törocsik, eine der bekanntesten ungarischen Schauspielerinnen und Mitglied im so genannten «professionellen Komitee», das über die neue Leitung des Nationaltheaters zu entscheiden hatte.
Sie hatte als einzige für den Amtsinhaber Róbert Alföldi gestimmt; als das Ministerium allerdings den längst schon vorhergesagten Namen des Siegers bekanntgab, wurde ihr Votum nicht erwähnt: «Einstimmig» habe sich das Gremium für Attila Vidnyánszky entschieden. Die alte Schauspielerin, Ensemblemitglied des Nationaltheaters, die als durchaus konservativ gilt, war wütend und fühlte sich gedemütigt. Es war das Ende eines langen, traurigen Prozesses, Teil des gegenwärtigen ungarischen Kulturkampfes. Der lang erwartete Traum der extremen Rechtspartei Jobbik, den als «jüdisch» und «schwul» geschmähten Alföldi loszuwerden, war wahr geworden.
Geschichte eines «Wettbewerbs»
In einem Land, in dem Künstlerische Leiter in der Regel fünfzehn bis zwanzig Jahre auf ihren Posten bleiben, ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2013
Rubrik: Magazin: Kulturpolitik in Ungarn, Seite 67
von Andrea Tompa
Wir brauchen Schauspieler, die auf dem Scheiterhaufen brennen wollen und über die Flammen lachen. Antonin Artaud
Woran erkennt man einen großen Künstler, einen großen Schauspieler?
Ein großer Schauspieler gibt und nimmt. Er teilt sich selber mit dem Publikum. Dieses Teilen ist keine Option, es ist eine Notwendigkeit. Der Schauspieler öffnet sich, seinen Körper,...
Ein eindeutiger Fehler ist es, im Bett zu fragen, was der Liebhaber denn so denke. Könnte nämlich sein, dass er ehrlich antwortet: «Eigentlich denke ich immer nur an deine Scheide.» Gut, auf empörte Nachfrage, ob das wirklich alles sei, differenziert der Mann (Samuel Weiss), manchmal denke er auch an Augen, Brüste, Schulterblätter, aber eigentlich läuft es doch...
Wie humorlos. Eine «Machtdemonstration der ganz zynischen Art» sieht die gutbürgerliche «Neue Zürcher Zeitung» in Klaus Wowereits hartnäckigem Festhalten am Berliner Bürgermeisterstuhl, obwohl er doch als Aufsichtsratschef der Berliner Flughafengesellschaft die Verantwortung für milliardenschwere Fehlplanungen trägt. Gar «Schlawinerhaftigkeit, Selbstüberschätzung...
