Es ist nicht leicht, ein Feind zu sein
Auch nach der Niederlage bleibt Ibsens Volksfeind sich treu. Dabei versuchen alle, die ihm gerade noch eiskalt den Rücken gekehrt und ihn samt seiner Familie verstoßen haben, ihm eine Brücke nach der anderen zurück in die Kurortsgesellschaft zu bauen: sein Bruder, der Stadtrat Peter Stockmann, die einst befreundeten Journalisten vom «Volksblatt», Redakteur Hovstad und Verleger Aslaksen, schließlich sein Schwiegervater Morten Kiil, dem die das Kurwasser verunreinigende Gerberei gehört und der seine künftigen Erben durch den Aufkauf von Badeaktien zu erpressen versucht.
Doch Doktor Thomas Stockmann, Mediziner, Entdecker und Bekämpfer der gesundheitsschädigenden Keime im örtlichen Kurbad, bleibt stur. Er will die Wahrheit kein Stück relativieren, sondern kompromisslos an Ort und Stelle ausharren, die Kinder daheim unterrichten und zu «freien und vornehmeren Männern» ausbilden. «Ich will den Hunden ja nur einbläuen, dass die Liberalen die hinterlistigsten Feinde freier Männer sind», lautet sein finales Credo, das sehr schön zeigt, wie Freidenken umschlägt in Konservatismus – oder eben Volksfeindschaft. Für Ibsen lag darin auch ein Sieg.
Sieg oder Niederlage?
In Berlin, wo sein auch nach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Eva Behrendt
Drei ältere Stücke von Philipp Löhle werden zum Berner Saisonauftakt als «Trilogie der Träumer» in der Regie von Jan-Christoph Gockel zur Uraufführung gebracht. Es geht an diesem Abend um untergebutterte Visionäre, Revoluzzer ohne Breitenwirkung, erfolglose Erfinder. Und um etwas, das gelingen soll: die Schauspieleröffnung des Berner Theaters, das sich neu...
Nein, es war kein Nachwuchsfestival, diese dritte Boxenstopp-Reihe, und am Ende wurde es sogar richtig alt. Drei arrivierte Autoren, Esther Becker, Carsten Brandau und Anja Tuckermann, hatte die Jury zum Deutschen Kindertheaterpreis und Deutschen Jugendtheaterpreis ausgewählt für ein Stück-Stipendium. Die Ergebnisse waren Anfang Oktober im Theater der Jungen Welt...
Die beiden unterschätztesten Theaterbücher des Jahres erscheinen alljährlich im September: die «Theaterstatistik» mit den «wichtigsten Wirtschaftsdaten» der Bühnen und die nicht weniger spannende Werkstatistik «Was wird gespielt», herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein in Köln. Jeweils mehrere hundert Seiten Zahlenkolonnen zu noch den kleinsten öffentlichen...
