Streng und monströs
Zwischen Innen und Außen, Gefühl und Welt: ein Abgrund. Selbstwahrnehmung und Welterfassung klaffen auseinander. Kleists «Penthesilea» ist das Drama dieses Missverhältnisses. Das Dokument einer hypertrophen Triebbewegung, die sich absolut setzt, eine verzweifelt arrogante Feier der maßlosen Innerlichkeit. An solch strenger Monstrosität scheitern alle Bebilderungsversuche, alle Versuche der kritischen Klassikerinszenierung, wie wir sie seit den 70er Jahren kennen.
Der Amazonenstaat als feministische Utopie, das Griechenheer als Heldentrainingslager – so kann man Kleist nur lächerlich machen. Hans-Jürgen Syberberg und Edith Clever haben 1987 eine andere Richtung gezeigt: «Penthesilea» als Monodrama, als Solo für eine Sprecherin.
Diesen Weg der Reduktion, des Minimalismus, geht auch die Bochumer Inszenierung Lisa Nielebocks, aber mit analytischer Ironie, ohne priesterliche Attitüde. Mit ihrer vierten Inszenierung am Bochumer Schauspielhaus hat sie wieder die Dramatisierung eines antiken Stoffes ausgewählt. Von ihrem Ovid-Programm «Liebesbriefe» im Foyer der Kammerspiele, einer Dramatisierung der Heroides-Briefe, schwärmte selbst der Schweizerische Altphilologenverband. Nun ist sie ...
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Für die Theater sind sie Bildungsauftrag, aber auch sichere «Bringer». «Don Carlos», die 74.: kein Problem. Seit Mitte Februar trumpfen jetzt auch die Radiosender SWR 2 und MDR Figaro im Wochenabstand mit «Klassik: jetzt»: Sie haben zehn Werke der deutschen Theaterliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts als Hörspiel-Neuproduktionen ins Programm gesetzt und ihnen...
Der Nihilismus ist auch nicht mehr das, was er mal war. «O glaub mir, es gibt keine Liebe! Alles Eigennutz, alles Egoismus», knallte der Schulprimus der Herzen, Melchior Gabor, seiner Geliebten Wendla beim Heuboden-Rendezvous bis dato immer frühreif an den hübschen Kopf. Heutzutage ist man da pragmatischer. «Du siehst so beschissen gut aus», konstatiert der...
Im Rahmen der Berlinale gab es zwei große Galas mit Stummfilmen, einer 1920/21 in Deutschland gedreht, der andere 2006 in Kanada, beide mit Orchesterbegleitung in Theaterhäusern präsentiert. Der alte war «Hamlet» von Svend Gade und Heinz Schall mit Asta Nielsen in der Titelrolle, der neue «Brand Upon the Brain!» von Guy Maddin mit Isabella Rossellini als...
