Ruf des Südens
Es gibt ein Tabuwort im Großgespräch, das – mit zunehmendem Crescendo zwischen November und Anfang Februar – in der Theatertreffen-Jury geführt wird. Das Wort heißt «Tableau» und bezeichnet das Gesamtergebnis der letzten Jurydiskussion: das Programm, das alljährlich im Mai die Theatersäle in Berlin füllen soll. Auf das Tableau soll eigentlich kein einziger Gedanke verschwendet werden. Über einzelne Inszenierungen reden wir, sieben Kritikerinnen und Kritiker, deren Innovationsregie, Schauspielerhöchstleistungen, Sensationsbühnenbilder wägen wir gegeneinander ab.
Am Ende aller Diskussion aber steht natürlich genau das: ein Tableau des deutschsprachigen Theaters der vergangenen zwölf Monate, das dazu einlädt, über Trends, Tendenzen, Aufbrüche Auskunft zu geben. Gibt es vielleicht doch so etwas wie den roten Faden, der sich hindurchzieht durchs Unterschiedlichste – das eine Thema, die dominante Form, die zwingende ästhetische Setzung?
Die Antwort ist natürlich: nein. Das Theater in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist eine Wundertüte an Vielfalt, jedenfalls da, wo das Regime des finanziellen Engpasses noch nicht Mainstream und leichte Konsumierbarkeit diktiert, um die Säle ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 26
von Barbara Burckhardt
In «West Stadt Story» sucht das Staatstheater die Konfrontation mit der Wirklichkeit. Mit dem Bus geht es aus Braunschweigs Stadtzentrum in die Weststadt, eine jener typischen westdeutschen Trabantenstädte, in deren Hochhausblocks die multikulturelle Durchmischung groß und das Bildungsniveau etwas niedriger ist als anderswo. Hier wird die interessierte Reisegruppe...
In Yer Face
Sibylle Bergs «Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» im Berliner Gorki Theater
Ich gestehe es freimütig: Die Aussicht, im Maxim-Gorki-Theater künftig «postmigrantisches» Theater geboten zu bekommen, hatte mich nicht gerade veranlasst, vor Freude auf dem Tisch zu tanzen. Dinge, die die Silbe «post» im Namen tragen, haben sich bei näherer Betrachtung...
Personen
Die Sängerin – dreißig plus
Carmen – männlich – zwanzig plus
Don José – weiblich – fünfzig plus
Micaela – weiblich – knapp zwanzig
Escamillo – männlich – vierzig plus
Ein Chor
Dieses Stück folgt in seiner Struktur der 1875 entstandenen Oper Carmen von George Bizet.
Seine Entstehung hat mein Freund und Kollege Sebastian Nübling provoziert.
Geprägt ist es...
