Nur die Stärksten überleben
Da fehlt doch was? Hoch oben auf dem dreistöckigen verschraubten Wohnkubus blinken nur ein paar Lämpchen einsam um das leere Gerippe einer verrosteten Werbefläche, trauriger Rest irgendeines vom Wind verwehten Plakatständers. Noch vor kurzem hätte sich Bühnenbildner Bert Neumann die Gelegenheit nicht entgehen lassen, eine Videowand dort oben zu installieren, am besten umglänzt von einem Dutzend flackernder Monitörchen. Und jetzt das: ein trübe umblitztes Nichts.
Sonst Bühne as usual in Frank Castorfs Dostojewski-Containerdorf, das schon wesentlich großartigere Tage gesehen hat: eine Etagenschachtel der billigsten Sorte mit braunen Laminat-Platten im zusammengeschraubten Metallgerüst, dazwischen ein Labyrinth aus Feuerleitern wie in New Yorker Hinterhöfen. Auf der Seite noch ein Standard-Bauarbeiter-Heim im Schuhkarton-Format für Technik und Umkleide. Vorbei die Zeiten, als in Neumanns Ost/ West-Bungalows vor großen Fensterflächen bürgerliche Vorhänge wehten und im Inneren wenigstens eine geschmacklose Couchgarnitur wartete. Jetzt ist die Wohnschachtel bei sich angekommen: drittklassig, verschmiert, mit Klappliegen und offenem Klo wie in der billigsten Absteige. Alles kreiselt ...
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Was ist wichtiger: Theater oder Tagesstätten? Das ist so ungefähr die dämlichste Frage, die man Amélie Niermeyer antun kann – einer Frau, die seit sieben Jahren Erfahrung darin hat, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Stellen wir sie trotzdem, diese dämliche, gefährliche Frage. Sie hat die Noch- und bald Ex-Intendantin in ihren drei Freiburger Spielzeiten...
Menschen rennen durch die Nacht. Erst waren nur ein paar Spaziergänger in Laufschritt gefallen, dann schwoll das Läufertrüppchen zum Rudel an. Jetzt dröhnt und knarrt der Bühnenboden unter den polternden Tritten der Turnschuhe und Badelatschen. Stumm wälzt sich die Herde, vielleicht auf der Flucht, vielleicht auf der Jagd, Runde um Runde über die «Ebene von...
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Kathrin Röggla (lacht) Wir alle sind verschuldet! Das ist unsere Grunddisposition! Ich muss lachen, weil ich gerade Gilles Deleuzes Postscriptum zu Foucaults...
