Geld und Sex
Der arbeitnehmerausbeuterische Pfui-Teufel-Versand amazon, den man doch nie mehr benutzen wollte, hatte im letzten Moment geholfen: Drei Tage vor der Castorf-Premiere an der Berliner Volksbühne, eine Woche vor Weihnachten, lag sie im Briefkasten, die speckige beige Leinenausgabe der «Kusine Lisbeth», die verschweigt, aus welchem Jahr sie stammt.
Vier Euro hat das Vergnügen gekostet und ist jeden Cent wert: Balzacs 1847 atemlos in zwei Monaten runtergeholzter Roman aus den «Scènes de la vie parisienne» ist ein fettes, pralles, lebensnahes und durch und durch illusionsloses Lesevergnügen zur Condition humaine, die bei Balzac zur wüsten «Comédie humaine» wird, angelegt in 91 Bänden mit über 2.000 Figuren, die immer wiederkehren um zu erzählen, wie er tickt, dieser Mensch der Nach-Napoleon-Restauration: gierig, triebgesteuert, liebes- (bzw. sex-)süchtig, egomanisch und mit Sicherheit irgendwann tot. Für Balzac war leider schon 1850 mit 51 Jahren Schluss.
«La Cousine Bette», wie die Sittenstudie aus der Unterabteilung «Die verarmten Verwandten» auf Französisch und auch bei Castorf um einiges glamouröser heißt, ist die arme Verwandte ihrer Cousine Adeline, die sich mit Monsieur Hulot ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Barbara Burckhardt
«Sie sind bestimmt alle wegen dem Buch hier», lächelt Jochen Roller in die gut besuchte Halle. «Kongo. Eine Geschichte. Von David van Reybrouck.» Kichern. Natürlich ist das Publikum nicht wegen van Reybrouck gekommen, sondern wegen dem neuen Stück von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen: «Mobutu choreografiert», eine Koproduktion zwischen Kampnagel Hamburg und...
Im ersten Moment meint man, sie schauten einen an. Und doch ist es vielmehr der eigene Blick, der irritiert. Der Blick auf drei Dutzend schwarze Schaufensterpuppen, die während der gesamten Aufführung von «Schande» nach dem gleichnamigem Roman des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers John M. Coetzee unbeweglich auf der Bühne der Münchner Kammerspiele...
Personen
Dora, die Assistentin
Hospitantin ohne Namen
Hermann Schwinder, ein älterer Herr
Martin Neumann, ein jüngerer Mann
Sophie Sikora, eine Frau um die 30
0
DER BISWEILEN LEERE RAUM
Eigentlich sollte dieser Raum leer bleiben
Dass er sich fülle erst im Verlauf der Zeit
Mit den Blicken der Betrachter
Und Erwartungen aus anderen Zeiten
Die in Widerstreit...
