Kassel: Ziemlich beste Freundinnen
In einem Leitfaden der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann man lesen, derzeit sei bei ungefähr 3,4 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger von einem Alkoholmissbrauch oder einer -abhängigkeit auszugehen. Pro Jahr würden das bis zu 3000 Menschen mit dem Tod bezahlen. Dann folgt eine Anleitung, wie eine sogenannte Intervention ablaufen könnte. Es wird erklärt, die behandelnde Ärztin sollte zuerst einmal ein Problembewusstsein bei der Alkoholsüchtigen erzeugen.
Nach einer Vorbereitungs- und Handlungsphase gehe es dann um die Aufrechterhaltung von Verhaltensänderungen. Im Detail wird häufig vom Aufbau eines «positiven Klimas» gesprochen. Rückfälle allerdings seien ganz normal, man müsse dann eben «erneut in den Kreislauf der Veränderung eintreten». Der Leitfaden liest sich wie ein Masterplan für eine flächendeckende Suchttherapie. Rebekka Kricheldorf, die sich mit ihrem neuen Stück «Intervention» einmal mehr der Therapeutisierung des bundesrepublikanischen Alltags zuwendet, nimmt diese Spur auf, biegt allerdings in eine etwas andere Richtung ab.
Im Unterschied zum erwähnten Leitfaden steuert sie in Richtung einer hausgemachten Therapie. Da ist keine niedergelassene ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Jürgen Berger
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