Requiem fürs Programmheft
Theorie muss im Theater immer in Programmheften gefangengehalten werden, sonst würde sie den ganzen Laden auffliegen lassen.
«Die Gewalt des Konsens und der forcierten Zusammengehörigkeit, die, wie eine Schönheitschirurgie des Sozialen, die Wurzeln des Übels und jeder Radikalität auszureißen trachtet; die jede Form der Negativität und Singularität einschließlich der letzten Form der Singularität, die unser Tod ist, löscht; die Gewalt einer Gesellschaft, die uns das Negative und den Konflikt und den Tod untersagt …» oder, ebenfalls Baudrillard: «Das Evangelium der Sentimentalität», das Daueroperieren mit dem Begriff der Liebe, dem nicht nur bedeutungsschwersten, sondern auch «schwammigsten Wort unserer Sprache». Baudrillard, ernstgenommen auf einer Bühne, würde die Lesbarkeit der Veranstaltung, was Liebe und Leben betrifft, kolossal einschränken und zu erheblichen Missverständnissen führen, vor allem bei Beibehaltung einer Darstellungspraxis, die auf Psychologisierung und Ästhetisierung setzt und dadurch erst ihre ganze neutralisierende Kraft gewinnt.
Theateraufführungen, in denen gesichert von der Liebe wie von einer «allgemeinen Verteilungs- und Integrationsform, vor der alle ...
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Das gängigste Vorurteil über französische Filme lautet: Dort wird immer so viel geredet. Diese Einschätzung hält der filmhistorischen Gesamtbetrachtung nicht unbedingt stand, aber wer die Filme von Eric Rohmer, Jacques Doillon oder Jacques Rivette als «typisch französisch» empfindet, muss zugestehen, dass es bei aller Unterschiedlichkeit der Regisseure doch diesen...
Notizen
Beste Werke
Die immer neue Frage, was ein gutes Stück ist, beantworten ab 12. Mai die Mülheimer «stücke 07» mit den wichtigsten deutschsprachigen Uraufführungen der letzten 12 Monate: Elfriede Jelinek «Ulrike Maria Stuart» (Thalia Theater Hamburg), Feridun Zaimoglu/Günter Senkel «Schwarze Jungfrauen» (Hebbel am Ufer, Berlin), Dirk Laucke «alter ford escort...
Sind wir nicht alle ein bisschen Castorp? Blässlich, kränklich, mittelmäßig?
So jedenfalls sieht es die Regisseurin Friederike Heller, die für ihre Version von Thomas Manns «Zauberberg» am Schauspiel Frankfurt das Publikum gleich mitbesetzt hat. Als schweigende Masse darf es dieser Hans Castorp sein, mit dem Mann in seinem Roman den Durchschnitt zum Helden gemacht...
