Der neue Orientalismus

Den Westen einzuholen, schien lange ein erstrebenswertes Ziel. Welches Land wäre nicht gerne ein moderner, vernünftiger Staat? Aber der angebliche Aufstieg Indiens in einer globalisierten Welt bleibt dennoch ein Mythos. Und die europäische Moderne auch nur eine Ideologie

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Vorbemerkung

Ich kann mir kein geeigneteres Forum als dieses Bonner Festival vorstellen, um über alte und neue Blicke des Westens auf Indien nachzudenken. Schließlich begann Europa in Bonn, auch bekannt als Benares am Rhein, ein systematisches Wissen über Indien zu entwickeln. Und zur Biennale sind Hunderte von Indern nach Bonn gereist, um die Vielfalt und Vitalität der zeitgenössischen indischen Kultur vorzustellen.

 

Das europäische Indienbild seit Herodot

Auf Indien bezieht sich die westliche Literatur zum ersten Mal in Herodots «Historien».

Der griechische Völkerkundler und Historiker erwähnt Indien zwar nur kurz und unpräzise, aber es muss uns heute überraschen, wie viel Herodot, der selbst wohl nie weiter als bis Ägypten gereist war, überhaupt über Länder wusste, die noch weiter östlich als Griechenlands größter Rivale Persien lagen. Große Teile der Welt waren damals ein Mysterium, für Herodot, dem Vater der westlichen Geschichtsschreibung, ebenso wie für jeden anderen Menschen, der im vierten Jahrhundert v. Chr. im Mittelmeerraum lebte. Indien, wo zu dieser Zeit Bud­dha seine Lehre verkündete, war für Herodot das äußerste Ende der bewohnten Welt: Er konnte sich nicht ...

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Theater heute Juli 2006
Rubrik: The West and the Rest, Seite 24
von Pankaj Mishra

Vergriffen
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