Jetzt! Oder nie
Einmal sitzt Ada vorne auf dem Boden, dort kauert sie meistens, und murmelt wieder und wieder ihr Mantra: «Ich bin jetzt!» Eine vergebliche Beschwörung von Gegenwart. Die ist den Jugendlichen in Juli Zehs Roman «Spieltrieb» restlos abhanden gekommen. Sich wenigstens in Restbeständen spüren, das können sie nicht. Nach dem Verlust von Bindung, Werten, Zukunft ist ihnen nichts Lohnenderes geblieben als der titelgebende Spieltrieb.
Gerade mal 14 soll diese Ada sein, ein schwer erziehbares, aber hochbegabtes Kind aus guter und kaputter Familie im trügerisch idyllischen Bonn.
Von ihrer bisherigen Schule ist sie geflogen, weil sie einem Mitschüler die Nase mit einem Schlagring einschlug, einfach so. Auf der Privatschule «Ernst Bloch» führt sie sich mit den Worten ein: «Mir ist so, als sei dies ein Ort für wirklich kluge, wirklich kaputte, wirklich kategorische Menschen.» Also ein Ort für altkluge kleine Kröten wie Ada, die stolz ist auf ihre Kälte und durchdrungen von ihrer intellektuellen Überlegenheit, die sie zur arroganten Außenseiterin macht und dementsprechend anfällig für die Verführungskünste einer ähnlich kalten Schnauze, des 17-jährigen Alev: ein kühler Machtstratege, ...
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