Abschied mit «Uncertainty»
Die alljährliche Suche eines geeigneten Festivalmottos stellt eine der größten Herausforderungen für das Kuratieren wiederkehrender Festivalreihen dar. Einerseits muss die vermeintliche thematische Klammer eine möglichst grundlegende Differenz zur letztjährigen Festivalausgabe markieren. Darüber hinaus sollte sie Ausdruck eines versierten kritischen Gesellschaftsbewusstseins sein, das sich inhaltlich in flankierenden Diskursveranstaltungen weiterverfolgen lässt.
Andererseits benötigt das optimale Festivalmotto natürlich ein ausreichend großes begriffliches Unbestimmtheitspotenzial, das seine Unverbindlichkeit den eingeladenen künstlerischen Arbeiten gegenüber gewährleistet. Mit «Uncertainty» – Unsicherheit, Ungewissheit – erfüllte das diesjährige Motto der fünften und letzten Ausgabe des internationalen Festivals Foreign Affairs die Anforderungen also geradezu vorbildlich.
«Uncertainty» herrschte beim Festival vor allem hinsichtlich der Zukunft der zeitgenössischen performativen Künste bei den Berliner Festspielen, die der nach vier Jahren scheidende, zukünftig als Ko-Kurator des Athen- und Epidaurus-Festivals tätige Festivalleiter Matthias von Hartz in seiner Eröffnungsrede ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Festivals, Seite 29
von Anja Quickert
Nichteingeweihten wird der Titel des neuen Pollesch-Zweiteilers «Diskurs über die Serie und Reflexionsbude (Es beginnt erst bei Drei), die das qualifiziert verarscht werden great again gemacht hat etc. Kurz: Volksbühnen-Diskurs» vielleicht etwas merkwürdig erscheinen. Kenner des Berliner Theaterkampfplatzes aber horchen auf: Will René Pollesch etwa die Worte des...
Als Katherine Anne Porters Roman «Das Narrenschiff» 1962 erschien, wurde er in den USA als Jahrhundertwerk bejubelt und bald auf Platz 1 der Bestsellerliste geführt. In Deutschland hingegen wurde der Erfolg des Buchs schmallippig aufgenommen; Kritiker warfen der texanischen Autorin (1890–1980) antideutsche Ressentiments vor. Tatsächlich werden die meisten Deutschen...
Natürlich ist ein Gespräch über Grenzen ein Gespräch über Politik, zumal in Zeiten, in denen sich die Festung Europa abschottet. Und wenn András Siebold, Leiter des Internationalen Sommerfestivals Hamburg, seine kuratorische Aufgabe als das Einreißen von Grenzen definiert, dann darf man das als politisches Statement lesen, auch wenn es gar nicht primär um...
