Wir sind Bohème
Bombastische Rockmusik. Das Skelett einer Kirche. Nebelschwaden. Ein einsamer Männerschatten zeichnet sich am Bühnenhorizont ab, wandert nach vorn an die Rampe und sagt «Krieg». «Krieg, Krieg, Krieg, Krieg, Krieg.» Die Platte des Propheten hängt. Peter René Lüdicke artikuliert weitere zweihundert Mal «Krieg», gefolgt von heikleren «Hungersnöten» und zungenbrecherischen «Naturkatastrophen».
Ein gleißendes Neonkreuz senkt sich vom Bühnenhimmel, Lüdicke ist plötzlich Jesus, und bevor ihn sein vermeintlicher Schutzengel (Henrike von Kuick) vom Kreuzweg abbringt und splitternackt im Dampfbad verführt, greift er zum Vorschlaghammer und lässt ihn so lange auf den Kunststoffplattenboden brettern, bis die ersten Reihen in Deckung gehen.
Wahrlich, es ist ein Leidensweg, den das Publikum zur Eröffnung von Sebastian Hartmanns Leipziger Intendanz am eigenen Sitzfleisch nachvollzieht. Erbarmungslose fünf Stunden dauert sein Tryptichon «Matthäuspassion», das ruhig und dunkel mit einer Kammerspielfassung von Ingmar Bergmans «Die Abendmahlsgäste» begonnen hat, bei Ibsens «Brand» halbwegs heiß gelaufen und nun in eine brachiale Performance gemündet ist, die das Evangelium grell mit Motiven aus ...
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Wer früher stirbt, ist nicht nur länger tot, sondern muss sich auch häufiger wiederentdecken lassen. Nun haben gleich zwei deutsche Theater Frühwerke von Bernard-Marie Koltès für Erstaufführungen aus der Vergessenheit auf die Bühne geholt. In seinen Zwanzigern hatte sich der französische Dichter und Theatermacher mit den großen Antihelden der europäischen Theater-...
Zeit: 27. Oktober 2008, der Montag nach der Premiere
Ort: Die Feuilleton-Titelseiten
Stimmen:
MODERATOR
Matthias HEINE («Endlich mal wieder Strumpfhosen», Die Welt)
Ralf-Carl LANGHALS («Wunder gibt es immer wieder», Mannheimer Morgen)
Peter MICHALZIK («Best of Germany», Frankfurter Rundschau)
Roland MÜLLER («Demut, dein Name ist Schmidt», Stuttgarter Zeitung)
Christopher...
Franz Wille (am Telefon) Hallo Frau Syha, ich habe diese Nummer von Ihrem Theaterverlag, wo sind Sie denn jetzt gerade?
Ulrike Syha In der Casa Baldi, 60 Kilometer von Rom entfernt, sozusagen in der Außenstelle der Villa Massimo.
Fw Dort verleben Sie gerade ein Arbeitsstipendium und schreiben an einem neuen Stück?
Syha Da verbringe ich die Tage und schreibe an einem...
