Die Internationale am Rhein
So hat man die Nibelungen noch nicht gesehen: Edel zwar und zart die Züge Giselhers, doch von ziemlich exotischem Adel. Omar el-Saeidi ist von ägyptischer Abstammung, 1980 in Gießen geboren. Bruder Gerenots dunkles Antlitz umrahmen schwarze Rasta-Locken. Patrick Gusset kam 1979 in Basel zur Welt, sieht aber eher nach Nordafrika aus. Und dann stürmt Siegfried auf die Bühne, der Recke aus Xanten, den einst im Film der deutsche Hammerwerfer Uwe Beier verkörperte: ein schmal fitter Latin Lover mit schwarzen Locken ums schlitzohrige Ballack-Gesicht.
Carlo Ljubek, geboren 1976 in Bocholt, hat kroatische Eltern. Die Besetzung ist durchaus programmatisch zu verstehen: In Köln sind Leute mit fremdländischen Zügen und komplizierten Namen Deutsche, Migranten in zweiter und dritter Generation, auch wenn sie nicht immer Bühnenhochdeutsch sprechen wie Karin Beiers an besten Schauspielschulen ausgebildete Protagonisten.
«Wenn im Ensemble nur ein Farbiger ist, kann man den fast nur ‹rassistisch› besetzen», sagt die neue Intendantin Karin Beier. «Er ist immer ein Zeichen. Wenn das halbe Ensemble, wie in Köln ja auch die Hälfte der Bevölkerung, einen ‹migrantischen Hintergrund› hat, wird es zur ...
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Die Ausstellung in der Londoner Tate Modern mit dem Titel «The World as a Stage», die über Objekte und Installationen von 16 internationalen Künstlern die Beziehung zwischen Bildender Kunst und Theater erforschen will, weckt erst einmal einige Erwartungen: auf eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Theater, vielleicht auch auf Lebendigkeit.
Falls man jedoch die...
«Wenn du bloß deine Eier leeren willst, sag nicht, dass du fürs Vaterland stirbst», staucht die junge Palästinenserin Imen den Nachbarssohn Amin zusammen, der einen israelischen Soldaten umgebracht hat und nun die Angst vor dem eigenen Tod mit dem Glauben an die 80 Jungfrauen im Märtyrerparadies niederringt. Vielleicht sind es Szenen wie diese, die Mohamed Kacimis...
Ab 1. Januar wird im deutschen Theater nichts mehr sein, wie es war. Die einschneidendste Maßnahme seit der Erfindung des Regietheaters bedroht viele Bühnen in ihrer Substanz: ein allgemeines Gaststätten-Rauchverbot wird die eigentlichen Denk- und Kommunikationszentralen der Häuser lähmen. Was soll der Künstler noch in der Kantine, wenn er dort keine Zigarette...
