Kulturkämpfe

Zaimoglu/Senkel «Schwarze Jungfrauen», Hebbel «Gyges und sein Ring»

Theater heute - Logo

Dem Anlass entsprechend hat auch Goethe sich schick gemacht. Ein exquisites rotes Kopftuch bedeckt das edle Gipshaupt im Foyer der Frankfurter Naxoshalle, in der der Regisseur Willy Praml und seine Theatertruppe seit einigen Jahren ihre Zelte aufgeschlagen haben. 

 

Im Konzepttheater von Praml geht es diesmal, Goethe zeigt es an, um Mythen der Verschleierung. Die «1002. Nacht» hat der Theatermacher seinen dreiteiligen Abend genannt. 

 

Zum Vorspiel darf der Besucher durch die imposante alte Fabrikhalle wandeln, wo ihn an verschiedenen Stationen kleine Performance-Szenen erwarten.

Auf einem Podest verliest ein fellbekleideter Alter die zwölf Heldentaten des Herkules. Im Hintergrund tanzt eine Bauchtänzerin. Ein Freizeitkönig mit Pappkrone sitzt in einem Plastikliegestuhl, schlürft Mecca-Cola und schaut sich Aufnahmen des Schahbesuchs von 1968 an. Ein Musiker präsentiert exotische Instrumente, während am anderen Ende der Halle seine Kollegen versuchen, die Besucher zu türkischem Karaoke zu animieren. 

 

Dieser Basar der Künste kündigt die beiden Stücke des Abends an, der ein Antikendrama Friedrich Hebbels mit den «Schwarzen Jungfrauen» von Feridun Zaimoglu und Günther Senkel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2009
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Kristin Becker

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Mich interessiert nur die Antwort durch dein Spiel»

Peter Zadek habe ich, ehrlich gesagt, so kennengelernt: Es gab ein Gastspiel des Hamburger Schauspielhauses mit «Othello» in Stuttgart in den 70ern, als wir noch mit Claus Peymann dort waren. Und so eine Art von Theater hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Ich war völlig begeistert, um nicht zu sagen geschockt, weil ich dachte: Hier sind gar keine...

Jammerchor

Die reflektierte Trauer der verlassenen Frau sei künstlerisch nicht darstellbar, weil sie rein innerlich sei, meinte Kierkegaard. Nur als Schattenriss, der sich gegen den Hintergrund abhebe, werde solche Trauer deutlich, und er zeigte dies an den großen Verlassenen der Dramengeschichte: Gretchen, Marie Beaumarchais, Doña Elvira. Roland Barthes erkannte dagegen,...

Ermittlung gegen ein Schaubild

Man kann sich Peter Handke gut vorstellen, wie er frühmorgens am Rand eines noch leeren Platzes – nicht im Zentrum der Metropole, eher in der Vorstadt – im Café sitzt, schaut und protokolliert, wie das Leben erwacht. Aber natürlich ist er nicht der bloße Zuschauer, wie er sich gern stilisiert. Die wimmelnden Menschen werden ihm zu Figuranten eines neobarocken...