Zopf ab!
Tatsächlich könnte das Missverständnis ja ganz genau so begonnen haben: mit einem deutschen Theaterintendanten auf der Suche nach dem spektakulären Thema von Weltrang, mit dem er das neue Theater eröffnen könnte. Fündig wird er in der weiteren Nachbarschaft: in der Ukraine der «orangenen Revolution», wo doch an der Seite des siegreichen Umsturzführers (Sie erinnern sich!) diese erstaunliche Frau mit dem Rundzopf auf die Titelseiten der Weltpresse gelangt war.
Also, dachte der deutsche Theaterdirektor, lassen wir uns doch über diese historische Persönlichkeit ein Theaterstück schreiben; und zwar von einem, der sich auskennen müsste: einem ukrainischen Autor. Gedacht, gesagt, getan – zur Eröffnung des neuen Hauses für das Potsdamer Hans-Otto-Theater wollte dessen Intendant Uwe-Eric Laufenberg «Julia Timoschenko» vorstellen, jene ukrainische Polit-Ikone in Orange, und damit den Autor Maxim Kurotschkin. Wenn das nicht für Aufsehen sorgt im Theaterland rundum. Schiefer allerdings hat lange niemand mehr gelegen mit einer Spekulation dieser Art.
Im ersten Teil der Aufführung, die nun in Potsdam Timoschenkos Namen trägt, ist übrigens ulkigerweise (immerhin!) genau die Szene beschrieben, ...
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Vorsicht Nahkampf, was man hört, klingt nach Lebensgefahr. Zisch, ein Pfeil wurde abgeschossen. Wumm, er fand den Weg ins Ziel. Und wieder zisch und wieder wumm, dann ein Ritsch und ein Ratsch, etwas zerriss, muss wehtun. Schritte hallen, Vögel kreischen, Kröten quaken, Bestien fauchen, ganz klar, hier hat sich jemand am Tonrepertoire des Gruselfilms bereichert....
Leise soll das Publikum sein, sich nicht mehr unterhalten, sobald es die große Halle im Zürcher Schiffbau betreten hat. Helfer an der Tür schleusen immer nur zwei oder drei Besucher gleichzeitig durch einen kleinen Zwischenraum ins Theater. Hinter den Pforten liegt, doppelt abgeschirmt, ein fremder, geheimnisvoller Ort, der seine Regeln zunächst nicht preisgibt....
Kroetz-Uraufführung die zweite: nach der Münchner Premiere von «Tänzerinnen + Drücker» noch ein neues, viel mehr noch nicht aufgeführtes Stück. Weil, wie es heißt, der Autor die a.tonal.theater-Inszenierung von «Die Eingeborene» als ganz wörtlich genommenes Riesen-Kasperltheater zu schätzen wusste, sicher auch, weil keine prominenteren Interessenten Schlange...
