Vom Elfenbeinturm in die Fankurve

Theater ist eigentlich immer für alle, aber manchmal noch etwas mehr. Nach dem Erfolg des «Bunnyhill»- Projekts der Münchner Kammerspiele – einem Ausbruch des Stadttheaters ins Problemviertel Hasenbergl – hat die Bundeskulturstiftung den «Heimspiel»-Fonds aufgelegt für ähnliche und ähnlich andere Unternehmungen. Eine Rundreise durch ein knappes Dutzend unterschiedlicher Ergebnisse und ein Gespräch über die Vielfalt der Erfahrungen

Theater heute - Logo

Eine Jugendliche zerfetzt eine blutige Babypuppe. Ein geistig Behinderter holt fröhlich sein Gebiss heraus. Eine alte Frau erzählt von ihrem besten Orgasmus. Eine Fee bringt eine echte Torte. Ein Zuschauer muss Ikeamöbel testen. Eine Skaband sitzt im Orchestergraben, und Familie Schroffenstein hat Kapuzenpullis an. Das sind Szenen aus «Heimspiel»-Produktionen aus der ganzen Republik.

Der Anfang war in München, dort wurde vor vier Jahren der als sozialer Problembezirk gehandelte Stadtteil Hasenbergl für das Theater entdeckt: Wochenlang besetzten Jugendliche vom Bergl die Kammerspiele, spielten Theater und feierten wilde Partys. Das Projekt «Bunnyhill» schlug damals hohe Wellen. Das Theater war aus seinem Elfen­beinturm geklettert und mit der Stadt in einen heißen künstlerischen Dialog getreten. Es hatte ein Publikum erreicht, das sonst nie dort zu sehen war, erzielte pädagogische Effekte und war zu einem Kunstprojekt geworden.

Aus dem Geist von «Bunnyhill» entwickelte die Kulturstiftung des Bundes (KSB) den «Heimspiel»-Fonds. Durch den Fonds werden Stadttheater-Projekte gefördert, die sich mit der urbanen und sozialen Realität der Stadt und ihrer Bewohner auseinandersetzen und zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2008
Rubrik: Theater für alle, Seite 16
von Sophia Stepf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gegenkritik: Elmar Goerden

Die Personalie Goerden wirft einen zunehmend großen Schatten auf das Bochumer Schauspielhaus. Weder der Intendant noch der Regisseur werden seinem künstlerischen Ruf gerecht. Im Gegenteil, meine Arbeit schadet augenscheinlich der Reputation der Theaterstadt Bochum. Ich muss Sie von diesem Befund nicht erst überzeugen, stammt er doch größtenteils von Ihnen. Ich bin...

Finale mit Kuss

Die Finnlandisierung der Welt macht bei Kaurismäki auch vor dem Vereinigten Königreich nicht halt – sein London könnte auch Helsinki sein. Für «I Hired a Contract Killer» hatte der Regisseur 1990, im letzten Herrschafts-jahr der Misses Thatcher, den Kanal überquert – das feuchte England und der trockene britische Humor sind seinem Wesen irgendwie verwandt.

Nachdem...

Zweifelsfrei selbstherrlich

Man weiß vom Besuch des Teufels beim Dichter Rattengift in Grabbes Lustspiel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» (1822), dass jener aus Mangel an Inspiration an seiner Feder kaut. Solche Zusammentreffen bleiben bekanntlich nicht ohne Folgen. Nicht dass auch Lars Norén an einer Feder saugen müsste! An die 1700 unpaginierte Bögen des gerade erschienenen...