Emilia Reichenbach in der Titelrolle von Hans Christian Andersens «Schneekönigin», Regie Serkan Salihoglu; Foto: Isabel Machado Rios/Theater Oberhausen
Das Beleidigungsdilemma
Vier Performer, darunter Dirk Laucke selbst, sitzen auf lässig gestylten Sofas vor Lamettavorhang und einem Nippes-Regal, auf dem sich ironisch zitierte Gemütlichkeit aus Hirschgeweihen und Kuckucksuhren mit Trump-Porträts und US-Flaggen treffen: So könnte man sie vielleicht zusammenfassen, die Ingredienzen des Populismus. Da Laucke, neuer Hausautor am Theater Oberhausen, nicht so gerne alleine arbeitet, probiert er in «radiophonen Shows» nun alle drei Monate Recherchestände an Testpublikum aus.
«Die Freiheit in Abrede», eine schlanke Versuchsanordnung von 22 Textseiten, will laut Eigenauskunft keine Kunst, sondern «erstklassiges Infotainment» sein und ist eigentlich eine Vorstudie zur Laucke-Inszenierung, die im Juni in Oberhausen Uraufführung haben soll: «Nur die Harten (kommen in den Garten)».
In entspannter Caféhausatmosphäre geht es auf der «Bühne 2» um den Zustand der «Meinungsfreiheit im Ruhr- und sonstigen Gebiet». Man kann ja auch nicht oft genug darüber nachdenken in Zeiten, in denen verbindliche Regeln über Kommunikationskultur zusehends entgleisen und sich spätestens seit den Anschlägen von «Charlie Hebo» üble blinde Flecken hinter eurozentristischer Perspektive ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Start, Seite 30
von Dorothea Marcus
Neben einigen Missbrauchsgeschichten aus dem Universitäts- und Verlagsbereich kamen die beiden aufsehenerregendsten #metoo-Stories, die in den vergangenen Monaten in Ungarn publik wurden, aus dem Theaterbetrieb. Sie versetzten die Gesellschaft in einen Schockzustand.
Man kann die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen: Etwa, wie die offiziellen,...
Jeden Dienstag Blutwursttag. Und hintennach Theater. Das ist ein bisschen viel Event für ein Kaff wie Utzbach – oder «Uuhtzbach», wie Bruscon den Ortsnamen auszuspucken pflegt, wohl um seine Geringschätzung dafür auszudrücken, dass es ausgerechnet ihn, den Staatsschauspieler, zum Gastspiel in den hiesigen «Schwarzen Hirsch» verschlagen hat.
Der Dorffestsaal, den...
Vielleicht hat Chris Dercon Recht, und dies ist so etwas wie die Stunde Null. An diesem Eröffnungssamstag im November ist die Volksbühne, wenn man vom Publikum absieht, erst einmal leer. So sieht also ein «besenrein» übergebenes Theater aus. Die Bar ist neben die Kasse gezogen, die Kasse in den Pavillon, das Räuberrad zum Restaurator. Büchertisch, Fassadenplakate,...
