Jeder darf ausreden

Bettina Blümner «Der Familienrat» (HAU 3)

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«Ich komm’ aus Kreuzberg, du Muschi!», rotzt die 15-jährige Tanutscha ins Telefon, als ihr Chatpartner am anderen Ende der Leitung vermutet, sie stamme aus gutbürgerlichen «Zehlendorf»-Verhältnissen. Ein Jahr lang hatte die Regisseurin Bettina Blümner Kiez-Alltag und markantes Selbstmarketing der Freundinnen Tanutscha, Klara und Mina mit der Kamera
begleitet und zum preisgekrönten Doku-Filmporträt «Prinzessinnenbad» verdichtet.

Im
Film drang aus dem alleinerziehenden weiblichen Familienhintergrund nur die pädagogische
Leitregel «kein Heroin und nicht schwanger werden». In ihrer ersten Theaterarbeit rückt Blümner die Familie nun in den Vordergrund und versucht dabei, ebenso nah wie im Film
am echten Leben unter Fremdbeobachtungs­bedingungen zu bleiben.

Dabei ist das pädagogische Bühnen-Konzept viel optimistischer: «Wir machen uns
gegenseitig keine Vorwürfe», «Wir konzentrieren uns auf die Zukunft» und «Jeder darf ausreden». − Klappt natürlich (so) einfach nicht. Vor allem, wenn die Kommunikationsregeln des «Familienrats» – ein Modellversuch aus der Praxis des Berliner Jugendamts Mitte – erst dann ausgerufen werden, wenn sich das Jugendamt schon öffentlich Sorgen macht. Mit der Kamera ...

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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Anja Quickert

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