Jeder darf ausreden
«Ich komm’ aus Kreuzberg, du Muschi!», rotzt die 15-jährige Tanutscha ins Telefon, als ihr Chatpartner am anderen Ende der Leitung vermutet, sie stamme aus gutbürgerlichen «Zehlendorf»-Verhältnissen. Ein Jahr lang hatte die Regisseurin Bettina Blümner Kiez-Alltag und markantes Selbstmarketing der Freundinnen Tanutscha, Klara und Mina mit der Kamera
begleitet und zum preisgekrönten Doku-Filmporträt «Prinzessinnenbad» verdichtet.
Im
Film drang aus dem alleinerziehenden weiblichen Familienhintergrund nur die pädagogische
Leitregel «kein Heroin und nicht schwanger werden». In ihrer ersten Theaterarbeit rückt Blümner die Familie nun in den Vordergrund und versucht dabei, ebenso nah wie im Film
am echten Leben unter Fremdbeobachtungsbedingungen zu bleiben.
Dabei ist das pädagogische Bühnen-Konzept viel optimistischer: «Wir machen uns
gegenseitig keine Vorwürfe», «Wir konzentrieren uns auf die Zukunft» und «Jeder darf ausreden». − Klappt natürlich (so) einfach nicht. Vor allem, wenn die Kommunikationsregeln des «Familienrats» – ein Modellversuch aus der Praxis des Berliner Jugendamts Mitte – erst dann ausgerufen werden, wenn sich das Jugendamt schon öffentlich Sorgen macht. Mit der Kamera ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Anja Quickert
Dass Theodor W. Adorno den Jazz geringgeschätzt hat, ist verbürgt. Jazzorchester erinnerten den Philosophen an Militärkapellen. Der Dramatiker Thomas Melle bastelt aus der kulturgeschichtlichen Petitesse eine Mini-Farce. Ein deutsches Paar in Israel: Während sie mit dem Kellner flirtet, widert ihn das bevorstehende Jazzkonzert schon beim Frühstück an. Obwohl er...
«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.
Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau,...
Das Lesen kann einen manchmal auf fast so dumme Gedanken bringen wie z.B. das
Spielen von «Counter Strike». Das gilt offenbar vor allem für die Lektüre von Dostojewski
und vor allem, wenn man ihn nur halb versteht. Die Wiedergänger der «Dämonen»-Helden aus Dostojewskis 900-Seiten-Roman von 1873 jedenfalls, die in Kornél Mundruczós «Zeit
der Besessenen» als «vierte...
