Bank oder Theater?
So viel sie in der öffentlichen Diskussion gescholten und gegeißelt werden, so beliebt sind sie seit Jahren als Sujet in Literatur, Film sowie auf den sich nach wie vor als gesellschaftskritisches Korrektiv verstehenden deutschsprachigen Bühnen: die Banken und ihr Personal als moralisch bestenfalls zweifelhafte Agenten eines entfesselten Kapitalismus, der sich aller Krisen und Protestbewegungen zum Trotz seit den 90er Jahren unangefochten behauptet.
Auch der aus Graz stammende, 1980 geborene Autor Johannes Schrettle, der in den letzten Jahren vornehmlich in der Freien Szene arbeitete, bedient sich dieses verbreiteten Sujets – und widersteht ihm zugleich. Er entwirft in «Die Kunden werden unruhig» einen im Bankenmilieu angesiedelten, kriminalspielartigen Plot, der nicht frei ist von parodistischen Zügen: Ein mittelständisches Geldhaus mit den üblichen Angestellten hat die üblichen Probleme und engagiert eine in solchen Fällen ebenfalls übliche Personalberaterin zu einer in vielen anderen Bereichen längst nicht mehr üblichen Gage.
Ein zweitägiges Coaching in einem abgelegenen Tagungshotel soll zur Optimierung der firmeninternen Kommunikationsstrukturen und der Lösung von ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 181
von Hilko Eilts
Als Karin Beier 2007 in Köln ihre erste Spielzeit als Intendantin begann, war nicht nur das Schauspiel Köln in einer unglücklichen Lage. Das deutsche Stadttheatersystem stand in der Kritik von zwei Seiten: zu teuer bei zu geringer gesellschaftlicher Resonanz, kritisierte die Kommunalpolitik (und deren Transmissionsriemen, die Kulturpolitik); zu unbeweglich, zu...
Er hat einfach zu viel erlebt in seiner Laufbahn. Das Problem mit ihm ist, dass er bereits siebzig Jahre existiert und den Erfahrungshorizont eines Siebzigjährigen hat, aber im Körper eines Neunzehnjährigen gefangen ist. Er ist inzwischen keine Projektionsfläche mehr, sondern ein vielschichtiger Charakter. Das können wir nicht brauchen.»
New York City im Jahr 1941....
Ein kahles Gästeappartement, hineingestellt in die große Spielhalle der Münchner Kammerspiele. Zwei Männer treten auf, beide um die Dreißig, der eine spillerig dürr, der andere das Gegenteil davon. Sie ziehen sich splitternackt aus und sind zwei Stunden lang einfach da. Ohne ein Wort zu sprechen, spielen sie alle Phasen einer menschlichen und künstlerischen...
