Giftzwerg und Riesenbaby
Monsieur Martin weiß es: Zur Sünde wird Genuss erst durch die Reue. Deshalb erfindet er seinen Preis: «Le Prix Martin», die pure Rache, gekleidet ins Gewand einer literarischen Auszeichnung. An der Académie française will er den Preis ausgelobt wissen, für die erfindungsreichste Abhandlung zum Thema «Über die Infamie, mit der Gattin des besten Freundes fremdzugehen.
» Just dem ist Monsieur Martin nämlich soeben auf die Schliche gekommen; Loïsa heißt die Gattin, Agénor der Hausfreund, Agénor Montgommier, um genau zu sein, was Martin ja ohnedies viel besser gefällt als der eigene Name («fast wie Montgommery! großes Haus … und Martin, wonach klingt das schon?»). – Zur Strafe muss Agénor nun den Wettbewerb ausrichten, und zwar auf eigene Kosten. Er dürfe selber teilnehmen, fügt Martin noch boshaft an.
Was er nicht weiß, ist, dass der lustlose Agénor seit Jahren einzig und allein eins im Kopf hat: Loïsa loszuwerden. Er hat sich so wohlig eingerichtet beim täglichen Kartenspiel mit Monsieur Martin, seit langem richtet sich seine Zuneigung weit mehr auf den Gatten als die Gattin. Oder einfach auf den friedvollen Alltagstrott, er ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Aber wie jetzt wieder ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Andreas Klaeui
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