Irgendwie politisch
Noch hat Karin Beier die Intendanz am Hamburger Schauspielhaus nicht angetreten, aber der Hype lässt sich schon anfeuern. Zum Beispiel so: «Spiegel»-Autor Wolfgang Höbel hat eine Art Biografie der Theaterleiterin und Regisseurin geschrieben.
Mit gerade mal 47 Jahren ist man zwar eigentlich noch nicht biografietauglich – aber seit Beier ab 2007 das vollkommen am Boden liegende Kölner Schauspiel mit Charme, Beharrlichkeit und Gespür für ästhetische Konsequenz zu einem der spannendsten Theaterorte der Republik machte, gilt die gebürtige Rheinländerin erstens als Theaterwunderkind und zweitens als Spezialistin für aussichtslose Fälle. Der aussichtsloseste aller Fälle ist eben das Hamburger Schauspielhaus, ein Schleudersitz, an dem man gar nicht anders kann als scheitern – und entsprechend ist es auch nachvollziehbar, wenn Höbel sich jetzt schon in Stellung bringt. Eine Biografie wäre ja wohl kaum noch angebracht, wenn sich Beier in Hamburg tatsächlich eine blutige Nase holen würde.
Steile These
«Den Aufstand proben» ist, der Untertitel «Ein Theaterbuch» deutet das schon an, keine klassische Biografie, sondern eine Materialsammlung: Höbel stellt Manuskripte, Briefe, ein Interview und ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Magazin: Biografie, Seite 68
von Falk Schreiber
Gerald Siegmund Der Begriff der Freien Szene wurde in Deutschland mit Verspätung in den 1980er Jahren geprägt, wo er verbunden war mit einem bestimmten soziokulturellen Milieu, für das freies Theater in Abgrenzung zum institutionellen Stadt- und Staatstheater stand. Die Abgrenzung erfolgte in Bezug auf Themen, Ästhetiken, Spielweisen und verstärkt seit den 1990er...
In den 1970er Jahren habe ich ihn eine Weile gekannt (und ich glaube, ich kannte ihn gut), und nur von dieser Zeit will ich hier erzählen. Es war die Zeit, als Jérôme Savary, der Franzose aus Argentinien, mit dem «Grand Magic Circus et ses Animaux Tristes», also dem Zauberzirkus mit den traurigen Tieren, die Enthusiasten beglückte. Nicht allein in Paris. Die Leute...
Weil man nicht damit rechnet, will man es zunächst nicht wahrhaben. Nur eine gewisse Irritation stellt sich sofort ein: Die Stimmen klingen ein wenig zu laut, wie mit Mikroport, und die ohnehin sparsamen Bewegungen passen nicht immer zum Atemrhythmus der Sätze, bis sich allmählich die Frage ins Hirn drängt: Spricht da überhaupt wer? Am Ende vergewissert man sich...
