«Love it, change it, leave it»
Ein Sonntagmorgen im thüringischen Altenburg ist nicht unbedingt das, was ein Reisebüro als besonderes Erlebnis anpreisen würde. Der riesige, architektonisch einzigartige Marktplatz mit seinen historischen Gebäuden und der mächtigen roten Brüderkirche am Ende ist menschenleer. Über ihn poltert jetzt ein wie für eine Safari aufgemotzter Jeep mit aufheulendem Motor. Dann ist es gleich wieder grabesstill und friedlich. Aus der Jüdengasse kommt langsamen Schritts Bernhard Stengele und betritt das weite steinerne Feld wie eine Bühne.
Diese Szene ist eine der letzten des Schauspieldirektors in seinem Gastspiel am örtlichen Landestheater. Dann sitzen wir vor einem Selbstbedienungscafé, und Stengele sagt: «Eigentlich wollte ich ja schon vor eineinhalb Jahren weg von hier.»
Dass er damals blieb, hatte gute Gründe mit schlechten Schlagzeilen. Altenburg kam ins feuilletonistische und Boulevardzeitungs-Gerede, weil sich hier Unschönes ereignete: Schauspieler aus fremden Ländern fühlten sich unwohl in einer angeblich ausländerfeindlichen Atmosphäre und quittierten ihren Dienst; Künstler aus Afrika bekamen wegen ihrer Hautfarbe keine Wohnungen; der Bürgermeister warf dem Theater und ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Bilanz, Seite 50
von Bernd Noack
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