Achtung, Symbol!
Freundlicherweise macht sich Tom (Gerrit Jansen) gleich zu Beginn des Abends die Mühe, das ästhetische Prinzip der Aufführung zu erklären. Glatze, Hornbrille, schlechte Körperhaltung im zeitlosen Hänger-Look und ein gewisser Übereifer kennzeichnen den jungen Mann aus einem Kaff in der amerikanischen Provinz als angehenden Halbintellektuellen mit tristem Sexualleben. Kein Wunder, dass er sich für Probleme der Ästhetik interessiert. «Und wenn man ihn nach seiner Technik fragt, sagt er nur ein Wort: Veranschaulichung», malt sich Tom seinen künftigen Ruhm als Schriftsteller aus.
Veranschaulichung ist das Stichwort. Darauf setzt auch Bastian Kraft bei seinem Versuch, Lars von Triers Film «Dogville» von 2003 im Depot des Schauspiels Köln möglichst ordentlich nachzuinszenieren. Damit das auch schön deutlich bis überdeutlich klappt, stellt er Tom und die anderen Dörfler aus den Rocky Mountains und ihr Opfer, die so mysteriöse wie schutzbedürftige Grace (Katharina Schmalenberg), auf einer Podestbühne aus, über der ein um 45 Grad gekippter Spiegel das Bühnengeschehen in ungewohnter Perspektive verdoppelt.
Grace, eine elegante Dame in weißem Pelzmantel und hochgeschlitztem Abendkleid, ist der ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik Köln, Seite 57
von Peter Laudenbach
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