Sondertribunal für den Tyrannen
Simon Stephens, der britische Autor mit dem Sinn für die Underdogs und die großen und kleinen Tragödien hinter den politischen Verhältnissen unserer Zeit, schickt sich an, gemeinsam mit dem Regisseur Sebastian Nübling König Ubu, alias Vater Ubu, alias Ubu Roi den Prozess zu machen. Jener anarchisch-bösen Theaterfigur also, die Alfred Jarry als Vorläufer der Surrealisten 1889 ebenso lustvoll wie skandalös mit einem Knall zum Leben erweckte.
Ubu ist gemein und brutal, skrupellos und böse, opportunistisch und feige. Und oft ist er dabei wahnsinnig unterhaltsam.
Man könnte ihn gelassen als eine skurrile und leicht monströse komische Figur zur Kenntnis nehmen – wenn seine Launen und seine Habgier ihn nicht dazu treiben würden, den König zu ermorden und die Herrschaft an sich zu reißen. Sein Putsch, der wie eine kindliche Spaßrevolution mit der Aussicht auf Leberwurstbrote und eine schöne Kapuze zur Fantasieuniform beginnt, führt geradewegs in ein gnadenloses und unberechenbares Terrorregime. Ubu und seine Miliz räumen nicht nur den König aus dem Weg, sondern auch die Wirtschaftselite und die Intelligenz des Landes und schließlich auch die eigenen Weggefährten. Sie plündern und morden, ...
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