Trikottausch beim Abstiegskampf
Als neugierig lauernde Kollegen, Nachbarinnen und Passanten, als geisterhafter Sichtschutz fürs Bettgeflüster im Schwarzlicht, als Insignien für Berufs- und Kontostand – die Kostüme spielen die Hauptrolle in Anne Lenks Inszenierung von «Kleiner Mann – was nun?» am Theater Augsburg. Gut 120 Anzüge, Blümchenkleider, Kittel, Uniformen und Mäntel lässt Bühnen- und Kostümbildnerin Halina Kratochwil auf Kleiderbügeln an langen Schnüren auf die schwarze Bühne heruntersausen.
Sie bremsen auf Schulterhöhe, dann hängen sie da: 120 Rollen, die gespielt, 120 Leben, die gelebt werden könnten. Wenn Tjark Bernau als Johannes Pinneberg abgebrannt und entwürdigt durchs Berlin der Krisengewinnler schleicht, geraten diese Kleider-Wesen ins Schwanken, werden im irren Licht vorbeirauschender Autos zur unheimlich lebendigen, abweisenden Menschenmasse. Kratochwils Szenerien eröffnen eigene
Erzählebenen, hier die Klamotten als stumme Stellvertreterinnen einer entsolidarisierten Gesellschaft, in «Bernarda Albas Haus», ihrer letzten Arbeit mit Lenk in Augsburg, die Bühnenraum füllende Übermutter-Puppe, auf und unter deren ausladendem Reifrock die Töchter hausten.
Lenk inszeniert Luk Percevals ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Cornelia Fiedler
Vor zwei Jahren hat sie mit ihrem Debutstück «Von den Beinen zu kurz» auf Anhieb den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen. Nun gab es nach dem ersten Erfolg von Katja Brunner eine weitere Uraufführung eines Stückes, dieses Mal inszeniert von der Regisseurin, die in Hannover für «Von den Beinen zu kurz» eine entrückte Bildwelt erfunden hat. Man denkt an diese...
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Kinder, heißt es ja gerne, sind das beste Publikum. Mein Sohn, der bald seinen fünften Geburtstag feiert, hat ihn noch, diesen unmittelbaren Ausdruck bar jeder bildungsbürgerlichen Publikumskonvention: Wenn ihn das Bühnengeschehen interessiert, folgt er ihm aufmerksam, stellt viele Fragen und ruft Kommentare in den Raum. Wenn es ihn langweilt, schaut er sich sehr...
