Prosperos Insel
Wer einmal das Glück der Erfahrung hatte, eine Inszenierung von Peter Zadek bei den Proben zu begleiten, musste schnell die wichtigste Unterscheidung lernen: die Trennung zwischen drinnen und draußen. Drinnen sind alle an der Produktion Beteiligten in unmittelbarer Reichweite des Regisseurs, also alle auf sein Geheiß engagierten künstlerischen Mitarbeiter vom Bühnenbildner bis zum dritten Hospitanten einschließlich aller Schauspieler. Draußen ist der Rest der Welt – einschließlich des Theaters, an dem Peter Zadek gerade arbeitete.
Die Grenze zwischen drinnen und draußen wird mit argwöhnischer, fast paranoider Energie verteidigt. Übertritte von draußen nach drinnen sind bei Todesstrafe verboten, die Türen zur Probe verrammelt, selbst Besuche des jeweiligen Intendanten ausdrücklich unerwünscht. Für die notwendigen Ausfälle ins Feindesland – zum Beispiel für die Kontrolle des Arbeitsstandes in den Werkstätten – schickt man «Spione», ausgestattet mit allen Bond-Lizenzen. Wenn die unvermeidlichen Konflikte überhand nehmen und die Adjutanten verschlissen sind, übernimmt kurz vor Ausbruch der offenen Feindseligkeiten der Geheimdienstchef die Verhandlungen mit der Gegenseite – um Geld, ...
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Peter Zadek habe ich, ehrlich gesagt, so kennengelernt: Es gab ein Gastspiel des Hamburger Schauspielhauses mit «Othello» in Stuttgart in den 70ern, als wir noch mit Claus Peymann dort waren. Und so eine Art von Theater hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Ich war völlig begeistert, um nicht zu sagen geschockt, weil ich dachte: Hier sind gar keine...
Der Schriftsteller hört in einer bekannten sonntäglichen Rundfunksendung seine Gedichte und fasst seine tiefe Bewegung in die lapidare Feststellung: «Traugott Buhre sagt mir, dass ich doch ein Dichter bin.» So berichtet Thomas Bernhards Bruder, als dieser Traugott Buhres Lesung der Gedichte «In hora mortis» im österreichischen Rundfunk gehört hatte. Das war vor 20...
Einerseits würde man gerne den freien Blick runter auf die Dächer Heidelbergs genießen. Da ist aber auch Simone Blattners Inszenierung und das Gefühl, man dürfe keine der Sentenzen verpassen, mit denen Kleist von der Not eines Sterblichen berichtet, dem ein Gott die Gattin und dieses Wörtchen «Ich» rauben will. Alkmenes finales «Ach» ist der Seufzer einer Frau, die...
