Bret Easton Ellis: «American Psycho»
Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen würde, bei manchen schneller, bei manchen langsamer. Beim Theater kommt sie doch hoffentlich zu allerletzt an, oder? Dann hätten wir noch etwas Zeit.
Die eine Möglichkeit, die leider eine praktische Unmöglichkeit ist, wäre natürlich, dass René Pollesch seine Stücke zum Nachspielen freigeben würde. Der Turbodichter des Turbokapitalismus war in den letzten Jahren der einzige, der einem mit seinen Texten Lust auf Volks- und Betriebswirtschaft gemacht hat. Allein welche Titel man da ausgraben könnte! «Die Interessen der Firma können nicht die Interessen sein, die Heidi Hoh hat»; «Freedom, Beauty, Truth & Love – Das revolutionäre Unternehmen»; «Wann kann ich endlich in einen Supermarkt gehn und kaufen was ich brauche allein mit meinem guten Aussehen?»; «Solidarität ist Selbstmord»; «Liebe ist kälter als das Kapital»; «Die Welt ...
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Wer früher stirbt, ist nicht nur länger tot, sondern muss sich auch häufiger wiederentdecken lassen. Nun haben gleich zwei deutsche Theater Frühwerke von Bernard-Marie Koltès für Erstaufführungen aus der Vergessenheit auf die Bühne geholt. In seinen Zwanzigern hatte sich der französische Dichter und Theatermacher mit den großen Antihelden der europäischen Theater-...
Zuallererst muss man eine Vermisstenanzeige aufgeben. Wo ist eigentlich Guido Westerwelle? Seit dem Zusammenbruch der Finanzmärkte hat er sich gemeinsam mit allen anderen Deregulierungsfachleuten zurückgezogen und liest in einem Managerseminar, möglicherweise von Rimini Protokoll angeleitet, erstmals «Das Kapital» – nun gut. Und schwitzt sich den Liberalismus aus...
Früher war es einfach selbstverständlich, gegen den Kapitalismus zu sein. Was müssen das für Menschen sein, die allen Ernstes Spaß daran haben, Geld zu machen, dachte man. Das war so absurd, wie den FC Bayern München zu unterstützen. Ich erinnere mich noch, es war Ende der 90er, als ich mit ein paar Freunden in einem Berliner Café saß und eine Ausgabe der...
