Nürnberg: Dionysos, divers

Schimmelpfennig nach Euripides «Die Besessenen» (U)

Theater heute - Logo

Wer ist der Gott des Rausches und der Lust? In Jan Philipp Glogers Nürnberger Inszenierung ist Dionysos ein geschlechtlich undefinierbares Wesen, dem die prüde, brav-bürgerliche Gesellschaft nicht traut: Das Fremde ist perfide und trägt verschiedene schillernde Kostüme. Am Ende feiert eine queere Truppe fummel- und farbenfroh den Sieg über das konventionelle Denken und die überkommene Verbohrtheit.

Denn natürlich will auch Gloger den alten Euripides (gespielt wird die Nachdichtung von Roland Schimmelpfennig, die den griffigen Titel «Die Besessenen» trägt) einem Thema unterordnen: Um Sexualität und Macht soll es eine Spielzeit lang in Nürnberg gehen – und da kommen dem Regisseur und Schauspielchef die alten Feierbiester gerade recht. Vor allem aber dieser Gott, der naturgemäß alles kann. Und wenn ihm keiner glaubt, dann fällt er schon mal aus dem Rahmen der althergebrachten Konvention. Dionysos erscheint quasi als Triptychon: jeweils an den beiden Seiten die männliche und die weibliche (wahlweise auch alte und junge, schwarze und weiße) Ausgabe, in der Mitte aber tatsächlich dieses Dazwischen – Mann oder Frau, wer weiß es genau? 

Um die Verwirrung komplett zu machen, wechseln die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Glücksfall einer Studie

Lütten Klein ist eines dieser Rostocker Neubauviertel, deren Lage wir Innenstadtkinder bis weit in unsere Schulzeit hinein nie richtig zuordnen konnten. Irgendwo links oder rechts der Stadtautobahn Richtung Warnemünde. Wenn wir in den Jahren nach der Wende mit dem Fahrrad zum Strand nach Warnemünde fuhren, mussten wir zwischen den Plattenbauten von Lütten Klein...

Überleben in der Kunst

Selten so einen gründlich desillusionierten Odysseus gesehen: Die fahlen Furchen im unrasierten Gesicht von Jörg Pose erzählen nichts von griechischer Größe, sondern nur von Müdigkeit, Entbehrung und einer Sorte von Gedanken, die sich ausschließlich noch mit dem Überleben beschäftigt. Der Körper in seiner grobgepixelten Fantasie-Militärkluft steht zwar gerade,...

Ewald Palmetshofer: Die Verlorenen

Figuren:

Clara, die Verlorene
Harald, ihr Ex-Mann
Svenja, seine Frau
Florentin, Claras und Haralds Sohn, 13 Jahre alt
Mutter, Claras Mutter
Vater, Claras Vater
Tante, Claras Tante, Schwester ihrer Mutter
Kevin, ein junger Mann
Der alte Wolf, ein älterer Mann
Die Frau mit dem krummen Rücken, Angestellte an der Tankstelle und dort auch Kneipenwirtin
Der Mann mit der...