Das Denken ist immer zu spät

Ewald Palmetshofer macht es sich nicht leicht mit seinen Stücken: ein Porträt des Autors von «hamlet ist tot. keine schwerkraft», uraufgeführt in Wien

Theater heute - Logo

Wenn sich Ewald Palmetshofer nach seiner ersten, sehr erfolgreichen Wiener Uraufführung verbeugt, sieht das etwas ungewöhnlich aus. Der Oberkörper winkelt rechteckig in der Hüfte ab, die Arme schwingen nach hinten, und der Kopf bleibt hart in den Nacken geworfen, die Augen weit offen. Als Empfangshaltung eher für Peitschen­hiebe als Applauswellen geeignet, und als Absprung vom Startblock ein sicherer Bauchplatscher. Man kann es aber auch so sehen: Ewald Palmetshofer hält den Kopf immer weitestmöglich oben und lässt sein Publikum nie aus den Augen.

Und wenn es unten noch so klatscht und patscht.

Die Anstrengung ist verständlich, denn im Kopf von Ewald Palmetshofer bewegen sich die allerschwersten Jahrhundertprobleme. In einem angemessen schwarz hinterlegten Textbalken begrüßt zum Beispiel den arglosen Programmheftleser von «hamlet ist tot. keine schwer­kraft» gleich auf der zweiten Seite ein originaler Palmetshofer Theorie­text, der es in sich hat: «Während das Denken des 20. Jahrhunderts noch lange nicht zu seinem Ende gekommen ist, ist das Subjekt des Denkens schon längst im neuen Jahrhundert angelangt. Und während dieses erste Denken seinem Abschluss entzogen scheint, ist ihm als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2008
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Streuwinkel

Wer die Gegenwart verstehen will, muss ihre historischen Alpträume kennen. Lars von Triers Film «Europa» von 1991 will nicht historische Objektivität zeigen, sondern die Wahnbilder, die das europäische Bewusstsein bis heute verfolgen. So erfand er die Geschichte eines naiven amerikanischen Humanisten, der im Deutschland von 1945 in die Hände der...

Zwei-Klassen-Schiffbruch

Dass die «Titanic» vor ein paar Jahrzehnten gesunken ist, war ein Glücksfall für Technik- und Beschleunigungskritiker und ist es bis heute für die Unterhaltungsindustrie. Dass im Dezember 1996 ein namenloser klappriger Flüchtlingskutter mit 300 Frauen, Männern und Kindern vor der sizilianischen Küste unterging, kann man nur noch in entlegenen Annalen nachlesen. Die...

Erhörte Bilder

 

«Hörspiel ist die glücklichste Form», sagt Werner Fritsch an diesem Samstagvormittag.

Noch ohne zu wissen, dass er am Abend im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) den ARD Hörspielpreis für seine Produktion «Enigma Emmy Göring» erhalten wird, was dank der damit verbundenen Ausstrahlung in allen neun ARD-Landesan­stalten laut SWR-Intendant Peter...